Iggy Pop: Der „Godfather of Punk“ feiert seinen 70. Geburtstag


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Eigentlich müsste James Newell „Jim“ Osterberg Jr. längst tot sein. So wie sein Buddy David Bowie, der im Januar 2016 verstarb. So wie seine ehemaligen Stooges-Bandmates Scott († 2014) und Ron Ashton († 2009), Dave Alexander († 1975) und Steve Mackay († 2015). Doch ähnlich wie Keith Richards (of Rolling Stones fame) ist Iggy Pop in all den Jahrzehnten, die der „Godfather of Punk“ nun schon die Bühnen der Welt zerlegt, zwar merklich älter geworden und trägt seine ledrig-sehnigen, durchtrainierten Runzeln im 21. Jahrhundert etwas gemächlicher spazieren, aber: he’s still standing. Und das ist ob des Rock-and-Roll-Lebenstils, den der „Rock Iguana“ seit den Sechzigern teilweise exzessiv-ausgeprägt gepflegt hat – massig Sex, noch mehr Drogen und allzeit Punkrock gehörten da freilich dazu-, schon erstaunlich.

Klar, in den letzten Jahren hat Pop die Frequenz an energetischen Studioalben und furiosen Liveshows merklich zurückgefahren (und es vor nicht allzu langer Zeit gar einen halbwegs gelungenen Flirt mit dem Chanson gewagt), aber gerade das letzte Studiowerk „Post Pop Depression„, welches Osterberg gemeinsam mit Queens-Of-The-Stone-Age-Mastermind Josh Homme in dessen „Rancho De La Luna“-Studio irgendwo im Nirgendwo in der kalifornischen Wüste aufnahm, beweist, dass der Mann auch jenseits aller Jugendlichkeit noch eine „Raw Power“ besitzt, bei der selbst manch anderer Musiker im besten Schaffensalter schlapp machen würde (obwohl man zugeben muss, dass es schon eines gleichgesinnten Kreativpartners wie Homme bedurfte, um diese Energien aus Pop heraus zu kitzeln).

Klar, früher konnte der US-amerikanische Musiker gar nicht genug von Opium, Kokain, Heroin und all den anderen Rauschmitteln kriegen (alles Klischees, die ja irgendwoher kommen müssen), doch inzwischen rührt Iggy Pop laut eigenen Aussagen keine Drogen mehr an. Nicht einmal Zigaretten. „Ein paar Wochen vor dem neuen Millennium machte ich reinen Tisch. Ich hörte auf zu rauchen und habe seitdem nie mehr irgendeine Droge angerührt. Seit dem Beginn des Jahrtausends bin ich clean“, sagte er im September 2016 im „Zeit Magazin“. Insofern dürfte einer wie Ian „Lemmy“ Kilmister, der 2015 verstorbene Frontmann von Motörhead, mit seinem Lebensstil auf ewig ein medizinisches Kuriosum bleiben („Ihr Blut ist giftig. Sie haben kein menschliches Blut mehr in sich, ihr Blut würde einen normalen Menschen töten,“ wie ein Arzt diesem einst bestätigte – nachzulesen in dessen übrigens höchst amüsanter Autobiographie).

Klar, auch einer wie Iggy Pop war nicht immer und bei jedem Song geschmackssicher (gerade in den schrecklichen Achtzigern tut sich, wie bei so vielen anderen Musikern und Bands auch, eine recht einschneidende qualitative Talsohle auf, als Osterberg zu sehr versuchte, sich mit Keybaords und Hardrock an der damaligen Zeitgeist anzubiedern). Aber der Erfolg, den die lebende Legende, die 2010 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, gerade bei den Konzerten seiner (vorerst) letzten Tournee im vergangenen Jahr hatte (nachzuhören und -schauen Live-Album-Package „Post Pop Depression – Live at the Royal Albert Hall„), beweist, dass Stücke wie „I Wanna Be Your Dog“, „No Fun“, „Gimme Danger“, „Nightclubbing“ und natürlich „Lust For Life“, „China Girl“ (gemeinsam mit David Bowie geschrieben) oder „The Passenger“ einfach zeitlos sind und bleiben. Wie der Punkrock sich ohne Iggy Pop und seine Stooges heute anhören würde? Ob er überhaupt existieren würde? Man möchte es sich nicht einmal ausmalen…

Heute wird Jim Osterberg, der 1947 in Muskegon, Michigan zur Welt kam, stolze 70 Lenze alt. Und wäre das nicht schon erstaunlich genug, so würde man dem Mann, bei dem dem geneigten Rock-Fan freilich zuerst seine energiegeladenen Live-Shows mit freiem Oberkörper in den Sinn kommen, wohl noch 70 weitere Jahre zutrauen. Wie sagte Bill Clinton vor nicht allzu langer Zeit: „Keith Richards ist, außer Kakerlaken, die einzige Lebensform, die einen Atomkrieg überleben kann.“ Dass er dabei den „Godfather of Punk“ nicht auf der Rechnung hatte, mag man dem ehemaligen US-Präsidenten verzeihen. Da mag sich die Phrase noch so pathetisch anhören, da mag man noch so sehr genötigt werden, flugs ein, zwei Scheine ins Phrasenschwein einzuzahlen: So einer wie Iggy Pop wird heutzutage nicht mehr gebaut. Isso. Umso schöner, ihn noch auf dieser Seite der Welt zu wissen. Allet, allet Jute zum Jeburtstach, Iggy Pop!

(Ein schönes Portrait von, für und über Iggy Pop findet man übrigens bei den Schreiberlingen des deutschen „Rolling Stone“…)

  

  

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Rock and Roll.

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