Die bizarre Ska-Band „Leningrad“ feiert in Russland seit Jahren Riesenerfolge – und wird nun wohl so langsam auch in anderen europäischen Ländern bekannt(er). Die Skarocker aus St. Petersburg, von denen man in Deutschland – wenn überhaupt – vor allem durch die „Russendisko“-Veranstaltungen von Exil-Vorzeigerusse Wladimir Kaminer gehört haben könnte, haben sich über die Jahre von einer Undergroundband in die vorderen Regionen der russischen Charts hochgespielt. Ihre Musik ist hart, voller Schimpfwörter und pinkelt akustisch gern der Regierung rund um Wladimir Putin ans Standbein (quasi also Pussy Riot in poppiger Ska-Form). Die russische Jugend liebt sie dafür.

Jetzt dürfte ihr neuer Song „Kolschik“ für weitere Popularität sorgen, denn das dazugehörige Musikvideo, welches aktuell auch in den Blogspähre für Furore sorgt und allein via YouTube bereits über fünf Millionen Klicks verzeichnet (innerhalb einer Woche), ist ein skurriler, blutiger und seltsam witziger Bilderrausch der internationalen Extraklasse, das den Einfallsreichtum von OK Go („Here It Goes Again“) mit den Absurditäten von Psys „Gangnam Style“ und den brutalen Effekten von The Prodigys „Smack My Bitch Up“ vermengt.

Und auch das kommt kaum von ungefähr, zeichnet sich für die visuell überbordenden vier Minuten Musikvideokunst doch kein Geringerer als der ebenfalls im Musikbiz tätige Regisseur Ilya Naishuller, von dem man 2015 etwa durch den international erfolgreichen, russisch-amerikanischen Actionfilm „Hardcore“, der die Handlung komplett aus der subjektiven Sicht des Hauptdarstellers erzählt, gehört haben könnte, verantwortlich. Das Video erzählt die Geschichte einer Zirkusveranstaltung, die aber mal so richtig schief geht. Und um Spannung und Kunstfertigkeit auf die Spitze zu treiben, läuft das Ganze rückwärts ab. Da macht es kaum was, dass man als nicht der russischen Sprache Mächtiger gar nicht versteht, wovon Leningrad im Song überhaupt singen…