Song des Tages: The Rolling Stones – „Ride ‚Em On Down“


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Foto: Promo / Mark Seliger

Ja, die Stones haben es tatsächlich geschafft, zwischen all den „letzten Tourneen“ (Diesmal aber wirklich! Na gut, eine noch!) mal wieder ein Album einzuspielen – das erste seit „A Bigger Bang„, welches 2005 – also vor über einer Dekade – erschien. Und: ja, es ist ein Blues-Album, welches zum ersten Mal keine Eigenkomposition aus dem Hause Jagger/Richards enthält.

Wer’s böse meint, der könnte behaupten, dass „Blue & Lonesome„, welches in schlappen drei Tagen in den Londoner British Grove Studios (welche wiederum einem gewissen Mark Knopfler gehören) entstand, vier alte Säcke (plus Gastmusiker wie Eric Clapton) beim Besten und Einzigen porträtiert, was sie noch wirklich gut können: den knarzig-windgegerbten Rhythm’n’Blues abliefern. Denn in der Tat verstehen sich Mick Jagger, Keith Richards und ihre beiden verlässlichen Zulieferer Charlie Watts und Ronnie Wood seit jeher am besten aufs Neuinterpretierten von Rhythmen, welche auch schon verehrte Größen wie Howlin‘ Wolf, Willie Dixon oder Jimmy Reed vor langer, langer Zeit abgeliefert und in Stein (sic!) gemeißelt haben. Klar, irgendwann in den Achtzigern haben auch die Rolling Stones versucht, sich dem Zeitgeist und einer breiteren Masse etwas anzubiedern. Haben ihren Sound verändert, aufgepopt, flacher – und damit vergänglicher – gestaltet. Doch diesen Zeitgeist haben Jagger, Richards und Co. längst nicht mehr nötig – die Herren, zu drei Vierteln längst jenseits der Siebzig, sind Zeitgeist. Und (nicht nur) für Jagger ist Blues auch irgendwie Pop – wenn man den Begriff Populärmusik etwas weiter fasst: „Als diese Aufnahmen herausgekommen sind“, sagte Jagger dem „Rolling Stone“ in Hinblick auf die Alben von Jimmy Reed und Co., „waren sie auf gewisse Weise Popmusik fürs Publikum.“ 

roll_0004-oct-14-product-update_01_r4_1024x1024Dass ihre Zielgruppe weniger die stream- und klicksüchtige Digital-Natives-Masse ist als vielmehr ebenso graues Haupthaar trägt wie Schlagzeuger Watts (um Jagger und Richards scheint der Tod eh ’nen Bogen zu machen), kommt den Stones dabei nur zugute. Eine Livealbum der 2013er Hyde-Park-Show? Gekauft. Die x-te Best Of, freilich „remastered“ und diesmal komplettest komplett und „erstmalig“ mit Pi, Pa und Po? Her damit! Die Aufzeichnung des ersten Kuba-Gastspiels der britischen Band im März diesen Jahres in Bild und Ton? Die greise Zuhörerschar greift verlässlich zu. Das wird auch bei „Blue & Lonesome“, dem 23. (Großbritannien) beziehungsweise 25. (USA) Studioalbum der seit den frühen Sechzigern aktiven Band, kaum anders sein. Zu einhelligem Legendenstatus haben es die Rolling Stones eh längst geschafft, am Sockel rüttelt da nichts und niemand mehr.

Was man jedoch dabei leicht übersieht: die zwölf „neuen“ Stücke, welche bei Sessions zu einem neuen Album mit tatsächlich eigenen Songs entstanden (laut Jagger hätte das Coveralbum gemeinsam mit dem neuen Werk erscheinen sollen, jedoch war sich das Kreativduo Jagger/Richards wohl jedoch mal wieder uneins über die einzuschlagende Richtung), sind tatsächlich gut geraten. Mick Jagger ist noch immer einer der besten Mundharmonikaspieler überhaupt, good ol‘ Keef ist zwar mit 72 Lenzen ein alter, ledern dreinblickender Sack, aber noch immer eine Granate an den Saiten, welche er seit jeher so schön spröde und beseelt anschlägt wie kaum ein anderer Gitarrist jemals. In den besten der 43 Minuten erinnern die Stones gar an selige „Exile On Main St.“-Zeiten – nur eben als gesittete Elder Statesmen und somit ohne den dionysischen Rausch der Siebziger. Klar, eine urige, reine Bluesband waren die Stones nie, zu groß war ihre Hingabe zu Rock’n’Roll, zum Soul – und zur ekstatischen Messe im Stadionrund (womit auch stets gut Geld zu scheffeln war). Aber wenn eine Band ein irgendwie aus der Zeit gefallenes Album wie „Blue & Lonesome“, welches einem Standards als den „neuen heißen Scheiß“ zu verkaufen versucht, machen darf, dann doch bitte die Rolling Stones, denen nach elf Jahren Album-Pause ein schöner Knicks vor den eigenen Idolen gelingt.

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Hier gibt’s das Musikvideo zu „Ride ‚Em On Down“, für welches die Stones Hollywood-Schauspielerin Kirsten Stewart („Twilight“) gewinnen konnten…

  

…sowie das zur ersten Auskopplung „Hate To See You Go“:

  

Rock and Roll.

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