Mein Senf: Eine Wahl zwischen zwei Clowns, eine Wahl als Entscheidung fürs kleinere Übel


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Lieber Richard Melville Hall, den die meisten wohl eher als Moby kennen,

natürlich hast du vollkommen recht. Natürlich würde sich niemand von einem „wütenden, unerfahrenen Clown“ auch nur ein Rohr verlegen lassen, geschweige denn einen Hanswurst wie Donald Trump, diesen lauten, ungehobelten, chauvinistischen, rückständigen „dummen August“ ein ganzes Land wie die einst so glorifizierten US of A regieren lassen. Keine Frage, dieser Mann, geboren als viertes von fünf Kindern der erfolgreichen Immobilienunternehmerfamilie Trump (und damit bereits seit jeher mit den „goldenen Löffel im Mund“, aber für seine Herkunft kann ja kaum jemand etwas), vereint so ziemlich alle Qualitäten in sich, um ihn aufrichtig zu verachten. Ja sicher, Donald J. Trump sagt, was er denkt (wenn er mal denkt). Ja sicher, der Mann hat sich, beinahe nur mit seinem Namen, seiner Außenwirkung, den Millionen und dem prägenden Einfluss seines Vaters Frederick Trump Jr., nach dem es nur zwei Typen von Menschen gebe – „Sieger“ und „Verlierer“, bewaffnet, ein Imperium aufgebaut. Und nach außen mag er damit – mit seinen Casinos und „Trump Towers“ – auch prima dastehen. Allerdings ist der 70-Jährige mit seinen nicht selten auf dem Treibsand des Größenwahns gebauten Kapitalistenträumen in den letzten zwanzig Jahren bereits mehrfach haarscharf an seinem eigenen persönlichen Waterloo namens „Insolvenz“ vorbei geschrammt. Erfahrungen in der Politik hat Trump keine vorzuweisen (was ihm viele erstaunlicherweise als Plus zuschreiben), in Sachen Populismus spielt der gebürtiger New Yorker allerdings auf Champions-League-Niveau (wobei zu bezweifeln ist, dass er etwas für nicht-amerikanischen Sportarten wie Fussball übrig haben dürfte). Der Mann hasst alles Nicht-Amerikanische (dabei stammt er selbst von Immigranten aus Europa ab), alles Nicht-Weiße, jede „Pussy“, die ihm nicht sofort erlegen ist. Seit Jugendtagen sein erklärtes Vorbild: „Playboy“-Gründer Hugh Hefner. Also einer, der sich selbst ein Imperium mit den Träumen Heranwachsender von blanken Titten aufgebaut hat, um sich dann, in seiner „Playboy Mansion“, bis ins hohe Alter mit viel, viel junger, nackter Haut zu umgeben. Selbst lange Weggefährten Trumps vermuten, dass bei dem Mann rein mental seit der Pubertät nicht mehr viel passiert sein dürfte. Der Mann spricht herablassend über Frauen, Ausländer, Farbige, hat sich mutmaßlich bereits sexueller Übergriffe schuldig gemacht, möchte allen Ernstes eine große Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, um eine der Folgen des US-amerikanischen Kapitalismus auszusperren. Ja, Donald J. Trump ist ein verachtenswerter Kotzbrocken, wie er im Buche steht, und damit eigentlich als US-Präsident unwählbar.

Was jedoch ist die Alternative? Hillary Clinton? Ernsthaft?

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Jene Hillary „Killary“ Diane Rodham Clinton, die bis 2013 als Außenministerin des noch amtierenden US-Präsidenten Obama eine nicht zu unterschätzende Teilschuld an der aktuellen verheerenden Bürgerkriegssituation im Nahen Osten, wie etwa in Libyen, trägt. Jene Hillary Clinton, welche schon immer von den Männern in ihrem Leben enttäuscht wurde. Zuerst von ihrem Vater Hugh Ellsworth Rodham, der der Tochter kaum Beachtung schenkte, und diese dadurch nur noch mehr anspornte, Großes zu erreichen. Später von ihrem Mann William Jefferson „Bill“ Clinton, der zwar als US-Präsident zwischen 1993 und 2001 ein weitaus besseres Bild abgab als sein direkter Nachfolger George W. Bush, im Privaten jedoch ein ähnlicher Versager war wie etwa der große John F. Kennedy. Bereits in seiner Zeit als Gouverneur des Bundesstaates Arkansas hatte der Lebe- und Ladies Man Bill Clinton seine Frau Hillary bereits mehrfach betrogen, später, während seiner Amtszeit als 42. US-Präsident, sogar mitten im Oval Office und mit der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky (Sie wissen schon: Spermaflecken auf dem blauen Kleid, Unschuldsbeteuerungen im US-Fernsehen á la „I did not have any…“, um nach doch zurück zu rudern und reumütig Farbe zu bekennen). Jede „normale“ Ehefrau hätte ihren Mann nach so vielen wiederholten „Ausrutschern“ wohl verlassen. Hillary Clinton jedoch befand sich in einer Zwickmühle. Zum einen hätte die Tatsache, dass sich da eine amtierende First Lady vom US-Präsidenten hätte scheiden lassen, natürlich für einen Skandal gesorgt,  dessen Auswirkungen kaum abzuschätzen gewesen wären (deshalb hatte ja bereits damals JFKs Ehefrau Jacqueline „Jackie“ Kennedy ihre designerbeschuhten Füße still gehalten). Zum anderen hätte sie sich damit auch die eigene Karriere vor deren mutmaßlichem Höhepunkt zunichte gemacht. Denn: Hillary Clintons Plan war immer, ihrem Mann im Präsidentenamt nachzufolgen, erneut ins Weiße Haus einzuziehen und damit die erste Frau im mutmaßlich höchsten Amt der Welt zu werden. Dass sie dafür auch die Rolle der „gehörnten Ehefrau“ erträgt zeigt nur, dass diese Frau zwar einerseits Balls of Steel besitzt, aber zur Not auch keine Freunde kennt und gar über Leichen geht.

Viele ihrer Kritiker werfen Hillary Clinton ihre Nähe „zum Geld“ vor, ihre vielen, über die Jahre geschlossenen Kontakte zur Wirtschaft. Bei Clinton wird also das, was ihr republikanischer Herausforderer Trump an politsicher Nicht-Erfahrung zu wenig hat, mit ihrer Erfahrung als „political animal“, denn Clinton ist bereits seit den Zeiten des Vietnamkriegs in und um den Machzirkel von Washington, D.C. unterwegs, zum Manko. Und wird ihr als Opportunismus ausgelegt. Liegen ihre Kritiker damit richtig? Tendenziell: ja. Denn Hillary Clinton hat nicht erst mit ihrem Standing zu den Affären ihres Mannes, denn später auch während ihrer eigenen politischen Laufbahn als Senatorin von New York, Bewerberin um das US-Präsidentschaftsamt im Jahr 2008 (damals verlor sie noch gegen einen Hoffnungsträger namens Barack Obama) und spätere US-Außenministerin gezeigt, wie leicht es ihr fällt, Meinungen und Positionen aufzugeben und neue einzunehmen. Manche nennen es „Machtgeilheit“. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei Hillary Clinton um eine Frau handelt: Möchte man denn eine solche Person im Weißen Haus und damit in der Nähe eines gefährlichen „roten Knopfes“ sitzen wissen?

Für viele US-Amerikanischer stellt sich kaum die Frage, wen sie wählen, vielmehr fragt sich ein Großteil, wen es zu verhindern gilt. Dass in den letzten Wochen und Monaten die Floskel von „Pest oder Cholera“ nicht eben selten beim Vergleich von Clinton und Trump fiel, sagt Einiges. Dabei hätte die US-Präsidentschaftwahl 2016 auch eine Chance bedeuten können. Etwa hätten die US-Demokraten einen gewissen Bernie Sanders, ein 75-jähriger parteiloser Politiker, der seine politische Orientierung selbst als „Democratic Socialism“  und damit vor allem bei der jüngeren, politisch interessierten Generation punkten konnte, zu ihrem Kandidaten machen können. Doch wahrscheinlich fehlte der Parteispitze nach dem in Gänze gescheiterten „Obama-Experiment“ wohl die Traute, einen eher links orientieren und nicht immer angepassten Kandidaten durchzudrücken (zumal Clinton auch die Vorwahlen knapp für sich entscheiden konnte). Oder man schaut traditionell etwas weiter an den Rand und zu den kleineren Parteien wie etwa der Green Party und ihrer Kandidatin Jill Stein, welche zwar – wie alle vier Jahre – keinerlei Chancen aufs Präsidentenamt haben wird, dafür jedoch – wie alle vier Jahre – viele unterstützenswerte Ideen mitbringt. So jedoch haben Clinton und Trump, denen ja privat eine freundschaftliche Verbundenheit nachgesagt wird, mit ihrer beinahe einjährigen Schlammschlacht ums Weiße Haus für eine noch tiefere Spaltung der USA gesorgt. Zwischen Männern und Frauen, straight white males und Homosexuellen, Farbigen und Weißen, Liberalen und Konservativen. Die USA werden Jahre brauchen, um diese Schieflagen wieder ins Lot zu bringen (insofern es überhaupt gelingen sollte), und werden somit fürs Außenpolitsche wohl abkömmlich.

Es ist also traurig, dass sich die US-Politik 2016 im Gros so weit von der Gesellschaft entfernt hat, dass man sich nur noch fragt, was man nicht möchte, um daraufhin die Gegenseite zu wählen (ein politikverdrossenes Verhalten jedoch, dass auch in Deutschland und Europa zu beobachten ist – Stichworte Brexit, Le Pen, Wilders, „AfD“). Ein demokratischer Prozess, an dessen Ende man das „kleinere Übel“ wählt – ist das überhaupt noch Demokratie? Als der ehemalige R.E.M.-Frontmann Michael Stipe, der sich selbst während der Vorwahlkämpfe für Bernie Sanders stark gemacht und engagiert hatte, kürzlich vom deutschen „Rolling Stone“ gefragt wurde, ob er sich trotz allem Hillary Clinton als US-Präsidentin vorstellen könne, antwortete dieser: „Barely, but yes“. Das sagt mehr über die aktuelle Situation aus als Mobys Frage, ob man einen „wütenden, unerfahrenen Clown“ das Land regieren lassen wolle.

 

Rock and Roll.

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