Song des Tages: Brett Newski – „Garage“


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„Brett Newski – Nomad / Songman / Hi-Fi DIY“ – So beschreibt sich Brett Newski auf seiner Homepage mit wenigen Worten selbst. Und in der Tat bestimmte in den letzten fünf Jahren vor allem das Nomadendasein das Leben des US-Musikers, dessen eigentlicher Familienname Wisniewski weitaus weniger *hust* schmissig klingt als der Stage Name.

So verschlugen private Probleme den aus dem beschaulichen Madison, Wisconsin stammenden ehemaligen Angestellten einer großen Fast-Food-Kette (die mit dem „M“) und selbsterwählten Singer/Songwriter 2011 nach Südostasien – per One-Way-Ticket, ohne direkte Rückreiseoption. Dort tourte er, nur mit seiner Akustischen im Gepäck, durch die Gegend, traf viele neue Couchsurfer-Freunde, schrieb die Songs seines Debütalbums „In Between Exits“ sprichwörtlich on the road und nahm sie bei Gelegenheit in Low-Budget-Hostels und -Apartments irgendwo zwischen Thailand, Vietnam, Hong Kong, Korea und den Philippinen auf, während er sich mal da, mal dort mit dem Schreiben von Werbejingles ein Zubrot verdiente.

brettnewski1Bald schon wurde wohl auch Südostasien zu klein für Brett Newski und er ging, um die Songs seines Debüts live vorzustellen, in Südafrika auf Tournee, bei der er sich ausschließlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln da von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort fortbewegte (auch das wohl ein Abenteuer für sich). 2012 ging es zurück nach Vietnam, wo er sich eine als „Brett Newski & the Corruption“ musizierende College-Rock-Band zusammenstellte, ein gemeinsames Album („Tiny Victories„) aufnahm und für einige Zeit auf Tour in den USA und Asien ging. Wieder auf Solo-Pfaden wandelte er 2014 mit dem Zweitwerk „American Folk Armageddon„, dessen Sound ihm gar Vergleiche mit Jack White einbrachte und unter anderem auch das deutsche Indie-Label Make My Day Records auf den Plan rief, welches die Platte auch in Europa veröffentlichte. Und wieder ging der Mann, dessen Tourvehikel sogar – in Anlehnung an den On/Off-Frontmann der Emo-Heroen Hot Water Music – einen eigenen Namen („Chuck Ragan the Car“) und eine eigene Facebook-Seite besitzt, auf ausgedehnte Tournee auf dem amerikanischen, europäischen und afrikanischen Kontinent, bevor 2015 mit der „Hi-Fi D.I.Y. EP“ neue Songs erschienen. Ein Nomadenleben? Zweifellos. Ein „Songman“? Freilich, denn wer, so wie Newski, quasi ständig auf Achse ist, hat sicherlich Geschichten noch und nöcher parat (die erzählt er denn auch in Web-Artikeln wie „The 7 best countries (and 3 to avoid) for travelling musicians“ oder „Musician’s guide to touring Europe without a booking agent or label„). „Hi-Fi DIY“? Ein Leben aus der Tasche, das einfach keine großen Sprünge oder gar Extravaganzen zulässt, macht eben erfinderisch.

land-air-sea-garage-300x300Seinem Stil, welcher sich irgendwo zwischen Endachtziger-College-Rock á la Lemonheads oder den Violent Femmes (die er unlängst auch schon als Support unterstützen durfte), Indiefolk-Hymnen der Duftmarke von Mumford & Sons, Classic Rock nach Art von Tom Petty oder klassischen Singer/Songwriter-Kleinoden, die an Bob Dylan oder Elliott Smith (minus dessen Traurigkeit) gemahnen, verfängt, ist der kontaktfreudige Spaßvogel freilich auch auf seinem aktuellen, dritten Album „Land Sea Air Garage“ treu geblieben. Und freilich erzählt Newski auf einem Großteil der elf neuen Stücke, welche mal im US-amerikanischen Milwaukee, mal in Sri Lanka (!) aufgenommen wurden, viel vom Leben als Musik machender Wandervogel, der, wie er selbst schreibt, alles daran setzt, den „American Dream“ zu vermeiden. So heißt es etwa im feinen, dezent an Weezer erinnernden Albumopener „Garage“: „Everybody’s got their mind made / But the truth is so loose / It’s not winning every battle / It’s the battles you choose“ – lieber tägliche Kämpfe für Musik und Leidenschaft als der öde 9-to-5-Job im Büro (oder an der Fritteusenfront). Mal findet sich Newski in London wieder („I Won’t Die A Nun“), mal in Lagerfeueratmosphäre in Barcelona („Barcelona“), mal irgendwo im Nirgendwo und vom fernen Kalifornien träumend (der Abschlusssong „While The World Outside Dissolves“). Gut, dass er sich zu keiner Minute zu ernst nimmt (man höre „D.I.Y.“). Und selbst wenn der US-Musiker gerade in der Albummitte nicht die hoch angesetzte Qualitätsmesslatte der ersten Songs halten kann, machen die 37 kurzweiligen Minuten von „Land Air Sea Garage“ eine Menge Spaß.

Dass der passionierte YouTuber (auch das noch!) Brett Newski auch in den kommenden Jahren nicht sesshaft wird, sollte anhand einer  Ankündigung auf seiner Homepage feststehen: „Aiming for 2017, Brett plans to route the ‚Weirdest Venues in the World‘ tour, with gigs all over the world in unconventional spaces like attics, boats, barns, funeral homes, haunted forests, and atheist tool sheds. The Worst of Brett Newski is another ongoing project in the works, featuring 100 mini songs written about the road, on the road.“ Na denn…

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„Hi-Fi D.I.Y.“ sind übrigens auch die Musikvideos von Brett Newski. Den Clip zum feinen Albumopener „Garage“ etwa hat der Mann im tschechischen Prag aufgenommen, in welchem er dem großen Tom Petty (oder ist’s doch eher ein Imitator?) hinterher jagt…

 

…während er im ebenfalls tollen „Mind At Large“  auf dem Segway irgendwo durch die deutsche Einöde düst:

 

 

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Nachtrag: Über die Leute drüben bei NoiseTrade bietet Brett Newski, der dieser Tage seine Europa-Tournee zu Ende gebracht hat, einen „6 Pack Track Attack“ betitelten, sechs Songs starken Überblick über sein aktuelles Schaffen zum (wahlweise) freien Download an. Da darf man gern zugreifen!

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Ein Gedanke zu „Song des Tages: Brett Newski – „Garage“

  1. […] neustes Album „Land Air Sea Garage“ zwar nicht wirklich schlecht, am Ende jedoch nur mäßig spannend, aber: T-Shirts, die Musik galant an Witz und Zeitgeist knüpfen, gehen für mich immer […]

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