Song des Tages: Margaret Glaspy – „You And I“


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„Oh, tonight I’m a little too turned on to talk about us / And tomorrow I’ll be too turned off and won’t give a fuck / About you and I“  – Lass mal nicht reden heute. Lass mal lieber Liebe machen. Nee, und morgen hab‘ ich wohl auch keinen Bock, über die Scherben unserer Beziehung zu sprechen…

MGlasby_EmotionsMath_72_1500-670x670Es sind schon deftige Themen, die Margaret Glaspy auf ihrem Debütwerk „Emotions And Math“ anpackt – zwölf Songs, von denen keiner die Dreieinhalbminuten-Marke überschreitet und welche in Gänze eine emotionale Nabelschau bieten, die sich meist schonungslos auf die 27-Jährige selbst richtet. Wenn man so will, so stellt die gebürtige Kalifornierin und Wahl-New-Yorkerin so etwas wie die Antithese zu all den Beyoncés und Rihannas der Jetzt-Zeit dar. Das zeigt sich sich übrigens und vor allem auch im Sound, in welchen sie ihre Worte packt: oft kratzbürstiger Indierock mit feinem Gespür fürs Songwriterische, welcher jedoch auch mal an Soul, schwerem Blues oder Post-Wave schnuppern darf. Ja, in der guten halben Stunde von „Emotions And Math“ klingt viel Nineties Spirit an, wehen sanfte Erinnerungen herüber von Zeiten, als junge Künstlerinnen wie Liz Phair oder Sheryl Crow noch als große Versprechen galten (übrigens von Ersterer lang nichts mehr gehört). Da wundert es kaum, dass sie eine ganze stilistische Palette von Künstlern und Bands, welche von Elliott Smith, Joni Mitchell, Bill Withers und Weezer bis hin zu Rage Against The Machine reicht, zu ihren Einflüssen zählt. Und: Ja, vor allem die Beatle’eske Melodieseligkeit und zerschossene Romantik von Elliott Smith und der introspektive, sonnengegerbte Songwriting-Folk von Joni Mitchell klingen an vielen Stellen von Glaspys puristisch produziertem Debüt an, anderswo mag man eine auf Trotz getrimmte Leslie Feist ums Eck huschen hören.

Und auch Glaspys Werdegang spricht eher die Sprache der Neunziger als die des 21. Jahrhunderts, in welchem Jeder und Jede innerhalb von vier Youtube-Minuten zu 15 Minuten Klickruhm kommen kann: Vom sonnigen Red Bluff, Kalifornien verschlug es Margaret Glaspy, die eine klassische Violinen-Ausbildung genoss, Posaune in einer Marching-Band spielte und erst später zur E-Gitarre fand, nach ihrem Highschool-Abschluss nach Boston, wo sie sich am Berklee College of Music einschrieb. Als sie sich nach einem Semester das Studium nicht mehr finanzieren konnte, hangelte sie sich von einem obskuren Nebenjob zum nächsten und übernahm, bereits nach New York City übergesiedelt und lose in dem ein oder anderen Bandprojekt aktiv, ihre musikalische Weiterbildung notgedrungen selbst. Die entbehrungsreichen Jahre, die Traurigkeit, ja stille Wut ob der Zukunftsaussichten, den unbedingten Willen, gegen äußere Umstände anzukämpfen und die eigene musikalische Vision unbeirrt weiterzuverfolgen, die emotionalen Schieflagen, die noch nicht ganz zusammengekehrten Scherben einer Beziehung – all das hört man „Emotions And Math“ an, das zeigt, dass man mit einem Gefühl des Aus-der-Zeit-gefallen-seins auch der Zeit voraus sein kann.

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Hier bekommt man das Musikvideo zu „You And I“…

 

…und eine Mitte Juli aufgenommene „KEXP Live Session“ für Auge und Ohr:

 

Rock and Roll.

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