Song des Tages: Mikroboy – „Niemals bereit“


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Foto: Arne Landwehr / Promo

Irgendwie bezeichnend, dass die vier Herren von Mikroboy nun ausgerechnet „Niemals bereit“ ein Musikvideo spendieren…

Und als sich Michi Ludes, Kai-Steffen Müller, Tobias Normann und Felix Mannherz im April nach fünfjähriger Albumveröffentlichungsabstinenz zurück gemeldet haben, kam es einem fast so vor, als würde einem ein ehemaliger Klassenkamerad nach Jahren der Funkstille wieder einmal ein Lebenszeichen von sich senden. Denn seit dem letzten, 2011 erschienenen zweiten Album „Eine Frage der Zeit“ hat sich Einiges in der deutschen (Indie-)Musiklandschaft getan, die ja aktuell – so schreibt der (digitale) Blätterwald – eher steil auf nerdig-noisigen Postpunk von Bands wie Isolation Berlin, Die Nerven oder Messer geht. Da wirken Mikroboy freilich auch mit Album Nummer drei, „Leicht*hust* leicht aus der Zeit und den Trends gefallen, stehen die vier Herren doch eher für „Indie-Rock emotionaler Färbung“ (Zitat Intro), welcher dezent an US-Midwestern-Popcore der Duftmarke Get Up Kids erinnert, während textlich stellenweise ein in sich gekehrter Marcus Wiebusch (Kettcar) oder die Verschrobenheit von Deniz Jaspersen (Herrenmagazin) durchschimmern. Also eher gitarrene Kleinstadt-Melancholie statt Rumble in the Großstadtjungle. Gerade deshalb, weil es keine Revolte anzetteln, niemanden auf die Barrikaden bringen, sondern einfach nur sein und wirken und gefallen möchte, darf man über ein so flüchtiges, ein im Moment schönes Werk wie „Leicht“ froh sein.

005323089_500Doch leider ist mit „Leicht“ auch für Mikroboy das Ende eines Weges erreicht, wie sie zeitgleich zur Veröffentlichung des neuen Albums auf Facebook mitteilten:

„Mit dieser Platte und der anstehenden Tour verabschieden wir uns in ewiger Dankbarkeit von euch und davon, eine aktive Band zu sein. Das Leben schreit nach dieser Entscheidung. Wir haben uns mit ‚Leicht‘ den Traum verwirklicht, die EINE Platte zu veröffentlichen, die wir schon immer machen wollten. Ohne Filter, ohne Einflüsse von Aussen und ohne Druck. Ein Anachronismus vielleicht, aber dennoch die Verwirklichung dessen, was wir schon immer machen wollten. Wir sind erwachsen geworden und haben unsere Geschichte erzählt.“

Heißt: Nach der Veröffentlichung von Platte Nummer drei, nach den Abschiedskonzerten im Mai (das letzte wird am 31.5. in Heidelberg stattfinden) ist Schluss. Dass das Ende des Einen auch den Startschuss für etwas Neues bedeuten kann, erzählen Mikroboy in ihrer wohl letzten Single „Niemals bereit“, die vom Ende einer Beziehung berichtet, und davon, dass man hofft, dass aus dem Schmerz, den man gerade noch so stark spürt, irgendwann wieder ein gutes, ein schönes Gefühl wächst. Auch wenn der Weg dorthin alles andere als leicht wird… Wie bezeichnend.

Macht’s gut, Mikroboy.

 

 

„Zum letzten Schritt nehm ich dich mit
Und die Getränke gehen auf mich
Wir haben das Schlimmste überstanden
Und ich freu mich für dich
Denn nur weil du wirklich los lässt
Darfst du alles behalten
Darfst deine Freunde, deine Träume
Sorgsam pflegen und verwalten
Und die Liebe, die so hell schien
Und jetzt alles überschattet
Wird verschwinden wie das Krebsgeschwür
das wir beide in uns hatten bis zum Schluss

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit

Ich laufe matt durch diese Stadt
Und die Farben kommen zurück
Der erste Schreck ist weg und niemand ist gestorben, zum Glück
Doch je mehr du dich entfernst
Spannt sich das Band, das uns verbindet
Und schleudert dich unweigerlich wieder zurück

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit

Ich will nicht mehr suchen
Nach einem höheren Sinn
Und ich will nicht schlauer tun
Als ich eigentlich bin
Und ich will ‚Ich liebe dich‘ sagen ohne Scham
Und ich will einschlafen in deinen Armen

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit“

 

Rock and Roll.

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