Aus gegebenem Anlass…


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„Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt.“

(Helmut Schmidt in einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995)

oder eben:

„Politiker und Journalisten teilen sich das traurige Schicksal, daß sie oft heute schon über Dinge reden, die sie erst morgen ganz verstehen.“

 

Ich, Jahrgang 1983 und weit jenseits von Helmut Schmidts Hamburger Heimat – auf der anderen Seite der Mauer, die damals noch Deutschland nicht nur psychisch, sondern auch physisch teilte – geboren, bin freilich viel zu jung, um auch nur im Entferntesten beurteilen zu können, welch‘ tatsächlichen, gelebten Einfluss der gestern im Alter von stolzen 96 Jahren verstorbene ehemalige Bundeskanzler der Bundesrepublik damals, in den Siebzigern und Achtzigern, wirklich hatte. (Und ich meine das ganz unabhängig vom Kalten Krieg, vom „Deutschen Herbst“ und der RAF, von der „Landshut“-Entführung und dem Misstrauensvotum – all das ist Politik und Zeitgeschichte und hinlänglich dokumentiert.)

Trotzdem gehörte Schmidt immer irgendwie dazu. Zur SPD, zur Politik, zum deutschen Zeitgeschehen. Selbst wenn er sich, nachdem er 1982 vom anderen Helmut (Sie wissen schon: der Pfälzer mit dem Saumagen, der Hannelore, der „Birne“ und den Bestechungen) im Kanzleramt abgelöst wurde, eher als nimmermüder Mahner und eifriger Beobachter des nationalen wie internationalen Zeitgeschehens gab. Und zu Schmidt gehörte auch seine Hamburger Schnauze, die zwar wohlerzogen (der Mann stammte aus einem Lehrerhaushalt), jedoch dennoch offen und ehrlich daher redete. Und zu Schmidt gehörte immer die Zigarette zwischen den Fingern, gehörte ein Nikotinkonsum, auf den selbst die Stones-Qualmherde Keith Richards und Ron Wood neidisch gewesen wären. Freilich war auch – und gerade – Helmut Schmidt nicht unfehlbar. Aber: er war und ist wohl bis heute einer der letzten Politiker, die Demokratie noch als Volksauftrag begriffen, und es mit diesem Verständnis bis an die Regierungsspitze schafften. Außerdem wirkte er gerade im hohen Alter umso weiser, umso menschlicher, umso sympathischer – den geschniegelten Lack sollten stets andere spazieren tragen. Manch einer mag nun klug daher reden, mag Sprüche fallen lassen wie den, dass erst die Geschichte über die wahre Größe einer Person und Persönlichkeit entscheiden wird. Fakt ist: mit Helmut Schmidt hat gestern ein Stück deutsche Zeitgeschichte seinen Frieden gefunden und die Glimmstängel für immer in die Ecke gelegt.

 

Rock and Roll.

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