Eine Geschichte vom Leben, eine Geschichte über die Trauer


super8

Folgende Geschichte habe ich eben erst an anderer Stelle im weltweiten Netz gelesen, und sie ist einfach zu großartig, um sie nicht auch hier zu teilen. Außerdem passt die sehr persönliche, sehr nachdenkliche Thematik gut zu jenem Gefühl, dass man anlässlich des aktuellen Wetters vor der Haustür bekommen könnte. Aber lest doch am besten selbst:

 

„Ein Nutzer veröffentlichte auf der Plattform Reddit vor ein paar Jahren einen Hilferuf. ‚Mein Freund ist gerade gestorben. Ich weiß nicht, was ich tun soll.‘ Dann bekam er diese Antwort:
‚Ich bin alt. Das bedeutet, dass ich (bis jetzt) überlebt habe und viele Menschen, die ich kannte und liebte, nicht. Ich habe Freunde verloren, beste Freunde, Bekannte, Kollegen, Großeltern, meine Mama, Verwandte, Lehrer, Mentoren, Studenten, Nachbarn und sehr viele andere Menschen. Ich habe keine Kinder und ich kann mir den Schmerz nicht annähernd vorstellen, den man spüren muss, wenn man ein Kind verliert. Aber hier sind meine Gedanken zu diesem Thema…
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass du dich daran gewöhnen wirst, dass Menschen sterben. Aber ich habe mich nie daran gewöhnt. Ich will es auch nicht. Es reißt jedes Mal ein Loch in mich, wenn jemand, den ich liebe, stirbt, egal unter welchen Umständen. Aber ich will nicht, dass es nichts bedeutet. Ich will nicht, dass es etwas ist, das ich irgendwann hinter mir lasse. Meine Narben sind ein Zeugnis der Liebe und der Beziehung, die mich mit diesem Menschen verbunden haben. Und wenn die Narbe tief ist, war es auch die Liebe. So soll es sein.
Narben sind Spuren des Lebens. Narben beweisen, dass ich tiefe Liebe empfinden kann, dass ich das Leben in vollen Zügen lebe und auch verletzt oder sogar ausgehöhlt werden kann.
Du wirst merken, dass die Trauer in Wellen kommt. Wenn das Schiff sinkt, ertrinkst du, überall um dich herum sind Wrackteile. Alles um dich herum erinnert dich an die Schönheit und die Herrlichkeit dieses Schiffes, das es jetzt nicht mehr gibt. Und alles, was du tun kannst, ist, an der Oberfläche zu treiben. Du findest ein Wrackteil und hältst dich eine Weile daran fest. Vielleicht ist es ein Gegenstand. Vielleicht ist es eine glückliche Erinnerung oder ein Foto. Vielleicht ist es ein Mensch, der auch treibt. Für einige Zeit kannst du nichts anderes tun, als zu treiben. Und am Leben zu bleiben.
Am Anfang sind die Wellen 30 Meter hoch und stürzen gnadenlos über dich herein. Sie kommen im Abstand von zehn Sekunden und lassen dir keine Zeit, Luft zu holen. Alles was du tun kannst, ist, dich weiter festzuhalten und zu treiben. Nach einer Weile, vielleicht nach Wochen, sind die Wellen noch immer 30 Meter hoch, aber die Abstände zwischen ihnen werden größer. Wenn sie kommen, stürzen sie trotzdem über dich herein und nehmen alles mit sich. Aber zwischendrin kannst du atmen, du kannst funktionieren. Du weißt nie, was die Trauer auslösen wird. Es kann ein Lied sein, ein Bild, eine Straßenkreuzung, der Geruch von Kaffee. Es kann so ziemlich alles sein… und die Welle kommt angerollt. Aber zwischen den Wellen findet das Leben statt.
Irgendwann, und es dauert bei jedem unterschiedlich lang, werden die Wellen nur noch 24 Meter hoch sein. Oder 15 Meter. Und obwohl sie immer noch kommen, vergrößert sich der Abstand zwischen ihnen. Du siehst sie im Voraus. An einem Jubiläum, an Geburtstagen, an Weihnachten, beim Landen am Flughafen. Du siehst sie kommen und kannst dich meistens vorbereiten. Und wenn sie über dich hinwegspült, weißt du, dass du irgendwie auf der anderen Seite wieder auftauchen wirst. Triefend nass, an ein winziges Stück eines Wrackteils geklammert, aber du wirst wieder auftauchen.
Glaube den Worten eines alten Mannes. Die Wellen werden nie aufhören und du willst das auch nicht. Aber du wirst lernen, sie zu überleben. Und dann werden andere Wellen kommen. Und du wirst auch die überleben.
Wenn du Glück hast, wirst du viele Narben von vielen geliebten Menschen haben. Und viele Schiffbrüche.'“

 

Rock and Roll.

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