Flimmerstunde – Teil 34


Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ (2014)

509049Der leicht exzentrische, jedoch liebenswerte Londoner Psychiater Hector (Simon Pegg) führt gemeinsam mit seiner Freundin Clara (Rosamunde Pike) ein klar strukturiertes Leben gänzlich ohne Überraschungen, nicht einmal seine Honorare hat er in den vergangenen Jahren angepasst. Und obwohl seine Patienten gern zu ihm kommen, wird keiner von ihnen so recht glücklich. Als eine von ihnen, die medial begabte Esoterikerin Anjali (Veronica Ferres), Hector beim Handlesen eine große Reise voraussagt, gerät er mehr und mehr ins Grübeln. In der Tat gibt es da etwas, auf das er bei einer zufälligen Begegnung mit einer älteren französischen Tänzerin eines Abends aufmerksam gemacht wurde, und für das sich selbst ein Trip um die Welt lohnen würde: die Suche nach den Ursachen des Glücks! Denn obwohl Hector ein guter, ehrlich interessierter Zuhörer ist, zu dem alle seine Patienten immer gern wiederkommen, so gelingt es ihm eben doch nicht, sie dauerhaft glücklich zu machen. Er entschließt sich also dazu, die Reise mit ungewissen Ergebnissen spontan tatsächlich zu unternehmen. Seine ersten Stationen sind die chinesische Metropole Shanghai und ein in den nahen Bergen gelegenes Kloster, bevor es zu einem guten alten Freund ins tiefste Afrika weitergeht. Doch je länger Hector unterwegs ist, desto deutlicher wird, dass er nicht nur für seine Patienten, sondern auch – und gerade – für sich selbst nach der wahren Wurzel des Glücks forscht…

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Klar dürften sie papiernen Vorraussetzungen von „Hector & The Search For Happiness“ (so der englische Filmtitel) nicht die Besten sein: mit Peter Chelsom dirigierte ein Regisseur, der sich vorher eher mit Schmonzetten wie „Weil es Dich gibt“ oder schieren Zelluloidverbrechen wie *schluck* „Hannah Montana – Der Film“ einen Namen zu machen wusste, Charaktermimen wie Stellan Skarsgård oder Jean Reno werden lediglich zu Nebenrollen verdonnert – und zu allem Überfluss fällt ausgerechnet dem deutschen „Superweib“ Veronica Ferres eine entscheidende (Film)Rolle vor die Füße. Und freilich vermögen die bunten und nicht selten haarscharf am Touri-Klischee des sinnsuchenden Weltenbummlers vorbei schrammenden Filmbilder nicht mit der Bestseller-Romanvorlage „Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur“ des französischen Schriftstellers und Psychiaters François Lelord mitzuhalten. Doch auch wenn dem Film an vielen Stellen die globalisierungskritische Würze des 2002 erschienenen Buches fehlt, so verfällt „Hectors Reise“ (fast) nie in die klischeehaft-oberflächliche Meditation des im Grunde ganz ähnlich gearteten „Eat Pray Love“, demnach es zum Glücklichsein eigentlich nur drei Dinge braucht: italienische Touristen-Pasta, indische Chakren-Meditation und einen südländischen Lover, der aussieht wie Javier Bardem. Noch dazu spielt hier nicht die unsägliche Julia Roberts die Hauptrolle, sondern Simon Pegg – Filmfreunde dürften den 45-jährigen britischen Darsteller aus seinen zahlreichen Rollen von „Shaun Of The Dead“ über „Run, Fatboy, Run“ bis hin zu „Mission Impossible“, in welchem er beständig fein den Tom-Cruise-Sidekick mimt, kennen.

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Und überhaupt schlägt der Film in eine der ältesten Hollywood-Kerben: die Suche nach dem Glücksprinzip. Unzählige Zelluloidwerke – von „Das Glücksprinzip“ (Kevin Spacey, Haley Joel Osment und eine Melange aus Rührseligkeit und Drama) bis „Das Streben nach Glück“ (Will Smith und dessen Sohn Jaden Hand in Hand in einer noch süßlicheren Melange aus Rührseligkeit und Drama) – haben sich daran bereits zur Genüge abgearbeitet, und schon der Begriff „Happy End“, den die Traumfabrik seit Jahr und Tag jedem Zuschauer vorgaukelt, spricht wohl für sich. Da hätte es „Hectors Reise“ nicht mehr wirklich gebraucht, oder? Natürlich nicht. Aber für zwei Stunden unterhält der Film, der im vergangenen Jahr in Berlin seine Weltpremiere feierte, den müden Industrienationenzuschauer, dessen Haupthirn von all den weltfremden, formelhaften Ratschlägen eines Dalai Lama ohnehin bereits ganz weichgespült sein dürfte, trotzdem ganz gut. Und den ein oder anderen Ratschlag fürs eigene Leben kann man sich selbst bei einem Friede-Freude-Rührstück wie diesem sogar auch noch heraus ziehen…

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Rock and Roll.

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