Song des Tages: DOTA – „Grenzen“


Foto: Sandra Ludewig / Promo

Foto: Sandra Ludewig / Promo

Tagtäglich erreichen mich zig Mails von Promoagenturen, Künstlern und Bands. In jeder von ihnen bittet man mich um Gehör – was wohl – aus so ziemlich vielen Gründen – angebracht erscheinen mag, immerhin gilt es die jeweiligen Künstler, welche sicherlich wiederum ihrerseits viel Zeit, Gedanken, Schweiß und Mühe in ihre Stücke gesteckt haben mögen, zu vermarkten. Leider habe ich zu oft zu wenig Zeit und Energie, jedem Anspielwunsch Folge zu leisten (sorry an dieser Stelle einmal dafür!), immerhin habe auch ich ein Privat-, ein Arbeitsleben außerhalb dieser digitalen Zeilen.

Manchmal jedoch stolpere ich über Zeilen wie diese:

 

„Liebe Medienpartner,

aus aktuellem Anlass heute einmal ein etwas anderer Song, der mir auf Grund der brisanten Lage zur Flüchtlings- und Asylpolitik stark am Herzen liegt. ‚Grenzen‘.

Die Berliner Sängerin Dota Kehr, bekannt für ihre sozialkritischen Songs, hat ‚Grenzen‘ bereits vor einiger Zeit geschrieben. Dota und Band baten mich, ihn in die Welt zu schicken. Selbstverständlich. Ich würde mich freuen, wenn ihr das Gleiche tut.

Das Stück ‚Grenzen‘ ist der Diskursbeitrag der Berliner Band DOTA zu Rechtsruck und Flüchtlingsthema. Ein bedingungsloses Plädoyer für Menschlichkeit und ein gut durchdachter Text, der dem aktuellen Elend ein Stück hoffnungsvolle Vision entgegen trotzt. ‚Ich melde mich ab, ich will einen Pass, wo Erdenbewohner drin steht…‘ „

 

Man muss die Songs der 36-jährigen Hauptstadt-Liedermacherin Dorothea „Dota“ Kehr, die sie nun schon seit mehr als zwölf Jahren und etwa acht Alben unters Hörervolk bringt, im Gros nicht mögen, darf sie auch gern mal anstrengend finden. Fair enough. Das angesprochene „Grenzen“, welches Kehr bereits vor einigen Monaten schrieb (den Text dazu etwa postete sie bereits im Januar auf ihrer Facebook-Seite), jedoch ist eines dieser Stücke, die in Zeiten einer dermaßen akuten menschlichen Schieflage wichtiger kaum sein könnten.

Eventuell mag manch einer von euch ein Statement von mir zu all den aktuellen Geschehnissen erwartet (oder auch befürchtet) haben. Und obwohl ich in der Tat eine Meinung, eine Haltung (und als Betreiber eines eigenen Blogs wohl auch einen guten Teil gesteigertes Mitteilungsbedürfnis) habe – es wird keins geben. Nicht für den Moment. Nur zwischen den Zeilen.

Vielmehr möchte ich „Grenzen“ für sich sprechen lassen. Der Song ist Statement genug – und ein starkes obendrein, für das manch anderer Liedermacher meucheln würde. Denn selbst und gerade in Zeiten wie den heutigen sollten wir uns eines vor Augen führen: Die Würde des Menschen ist unantastbar – oder sollte es zumindest sein. Über sieben Milliarden von uns – und keiner kommt so ganz durch das, was wir hier oft genug „Leben“ nennen… „Es gibt Grenzen.“

 

 

„Wer ist drinnen, wer ist draußen?
Ich mal eine Linie. Du darfst nicht vorbei.
Da trifft Luft auf Luft,
Da trifft Land auf Land.
Da trifft Da trifft Haut auf Blei.
 
Wo ist oben, wo unten?
Wer könnte, wer wollte das ändern?
Was geschieht in den Ländern, 
An ihren Rändern?
 
Es gibt Frontex und push-backs,
Zäune, Waffen, Flüchtlingsabwehrkonferenzen.
Das Mittelmeer wird ein Massengrab.
Es gibt Grenzen.
 
Sie führen zu Nationalismus mit seinen
bekloppten Konsequenzen,
Man entrechtet Leute, nur weil sie von irgendwo kamen.
Es gibt Grenzen.
 
Könnten Sie diese Antwort bitte
sinngemäß richtig ergänzen:
Was liegt möglicherweise im Kern des Problems?
Es gibt Grenzen.
 
Ich melde mich ab, gebt mir einen Pass,
wo ‚Erdenbewohner‘ drin steht.
Einfach nur ‚Erdenbewohner‘.
Sagt mir bitte, wohin man da geht.
Ich melde mich ab, ich melde mich um,
Das kann doch so schwierig nicht sein.
Schreibt einfach nur ‚Erdenbewohner‘ da rein.
 
Wir ziehen eine Grenze im Himmel,
Ein Gott ist hier und einer ist dort.
Dann drohen sie sich mit den Fäusten,
In Ewigkeit und so fort.
 
Da muss es was Besseres geben,
Frieden bringt kein Götterbote.
Wir haben es ein paar tausend Jahre mit Grenzen versucht,
Das gab sehr viele Tote.
 
Nennt mich naiv, es ist mir egal,
Aber ich finde es reicht.
Ich suche das Land, in dem jeder dem andern
in Staatsunangehörigkeit gleicht.
 
Ich melde mich ab, gebt mir einen Pass,
wo ‚Erdenbewohner‘ drin steht.
Einfach nur ‚Erdenbewohner‘.
Sagt mir bitte, wohin man da geht.
Ich melde mich ab, ich melde mich um,
Das kann doch so schwierig nicht sein.
Schreibt einfach nur ‚Erdenbewohner‘ da rein.
 
Ich schließe die Tür und genieße die Stille,
Ich grenze mich ab, das muss sein.
Jeder hat seine Grenze, die ihn umgibt,
Sie schließt ihn schützend ein.
 
Jeder Übergriff, jeder Schlag
verletzt ein Menschenrecht.
Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut
Und die Grenzen der Menschen so schlecht?
 
Sie müssen nicht zwischen den Ländern verlaufen,
Aber zwischen den Menschen.
Nicht aus Stacheldraht sollen sie sein,
Sondern aus Respekt.
Es gibt Grenzen.“

 

Rock and Roll.

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2 Gedanken zu „Song des Tages: DOTA – „Grenzen“

  1. Ursula Löw sagt:

    Hallo, ich bin Ursula aus Nordhausen und arbeite in der Flüchtlingshilfe. Danke für das so schöne und kluge Lied. das hat mir einfach gut getan.

    • Hallo Ursula,

      freut mich, dass dir das Lied gefällt, und ebenso, dass du dich für Flüchtlinge engagierst. Topp, echt. Das Kompliment fürs Lied würde ich in dem Falle an DOTA weiterreichen. Alles, was ich getan habe, ist, drauf aufmerksam zu machen.

      Rock and Roll.

      ANEWFRIEND

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