Auf dem Radar: Boulevard Nights


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Klar, das Post-Rock-Feld ist mit all seinen Bands – über Godspeed You! Black Emperor beziehungsweise den Ableger A Silver Mt. Zion aus Kanada, die US-Amerikaner von Explosions In The Sky, Russian Circles, Palms, Caspian oder This Will Destroy You, die Schotten von Aereogramme oder Mogwai, die Iren von God Is An Astronaut, die Schweden Jeniferever bis hin zu den Konserns-Isländern Sigur Rós – über die Jahre bestens bestellt worden – sogar die Schweiz (Leech) oder Japan (Mono) dürfen da ihren Instrumentalrock-Senf beisteuern. Braucht’s da wirklich noch eine weitere Truppe, die famos und gekonnt Gitarrenspur um Gitarrenspur schichtet und die Pedale geradezu malträtiert, sich gemeinschaftlich in einen minutenlangen Musikrausch spielt – selbst (oder: gerade), wenn sie aus Deutschland kommt?

Die Antwort ist, schlicht und ergreifend: ja.

Und manchmal sagen ein paar Instrumente eben mehr als tausendundein Wort… So zumindest könnte das Motto des Trios Boulevard Nights (wer auf Facebook noch ein „The“ davor setzt, landet bei einem Soulfolk-Vierer aus Houston, Texas) aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont lauten, das auf seinem ersten, im vergangenen Dezember (digital) veröffentlichten Longplayer „Coloured Shadows“ – man ist’s ja im Post-Rock-Genre gewohnt – fast nur instrumental agiert. Ausnahmen bilden der epische Opener „As Real As Me And You“, in dem eine verhallte Frauenstimme zu hören ist, während das Stück anfangs von einer leichten Gitarrenmelodie getragen wird und schlussendlich in einem fetten Wall-of-Sound-Brett mündet, und der Titeltrack, der mit Schlagzeuger Heikos schwelgerischen Gesang und sanft trötenden Trompeten in träumerische Sphären entführt. Alles, was dazwischen und danach kommt, ist ehrliche und souveräne Post-Rock-Handarbeit, die mit Einflüssen aus dem Shoegaze, etwas Elektronik, Psychedelia und Space-Rock – der im Vergleich zur Debüt-EP „Gravity Rest Easy“ allerdings nur noch eine Randnotiz ist – angereichert wird und musikalische Grenzen verschwimmen lässt. Das Beste: Boulevard Nights bieten ihr hörenswertes Langspieldebüt via Bandcamp sowohl im Stream als auch nach dem „Pay what you want“-Prinzip an. Laden, abtauchen, schwimmen lernen…

 

 

Rock and Roll.

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