Song des Tages: Metallica – „Turn The Page“


garage

Anders als vielleicht bei vielen anderen war mein bewusster Erstkontakt mit Metallica nicht der mit jener Trash Metal-Frühphase in den Achtzigern, als sich die LA-Metalheads um Frontmann James Hatfield und den dauerhaft vorlauten Schlagzeuger Lars Ulrich mit Klassikern wie „Master Of Puppets“, „For Whom The Bell Tolls“ oder „One“ (anno 1988 auch die Single zu ihrem ersten MTV-Musikvideo, für welches sie – einerseits ganz und gar Metal-Rebellen, andererseits sicherlich auch sozialkritisch – Szenen aus dem Antikriegsfilm „Johnny zieht in den Krieg“ verwendeten) mehr und mehr in die großen Stadien dies- wie jenseits des Atlantiks spielten. Und: Nein, auch das berüchtigte „schwarze (selbstbetitelte) Album“, das die Band beinahe poplastig präsentierte, einfach, weil zwischen dem Opener „Enter Sandman“ und dem kuschelrockenden Feuerzeugschwenker-Evergreen „Nothing Else Matters“ einfach nur Hit auf Hit, Klassiker auf Klassiker folgt, habe ich bei dessen Veröffentlichung im Jahr 1991 nicht wahrgenommen. Einfacher Grund: ich war zu jung (im August 1991, als „Metallica“ das Licht der Plattenläden erblickte, gerade einmal knapp acht Jahre). Und auch wenn mir jetzt ein Großteil der Metallica-Fanbasis Asche übers Haupthaar kippen wird: Bis heute sind „Load“ und „ReLoad“ meine liebsten Metallica-Alben. Zwar portraitiert jenes 1996 beziehungsweise 1997 erschienene Albumdoppel die vierköpfige Rockband als im Inneren zwar höchst dysfunktionale Gruppierung (siehe auch die 2004 erschienene ausschweifende Musikdoku „Some Kind Of Monster“, welche Metallica und ihre Probleme untereinander ausschweifend wie eine Therapiesitzung dokumentiert), aber dennoch tut es vor allem eines: verdammt nochmal rocken! Freilich wurden in den insgesamt 27 (!) Songs die Metal- und Bay-Area-Trash-Verweise zugunsten poppiger Melodien zurückgefahren (was erwähnten Fans der True-Metal-Alben der Achtziger sauer aufstieß). Aber bei Stücken wie „The House Jack Built“, „Until It Sleeps“, „Bleeding Me“ (von „Load“), „Fuel“, „The Memory Remains“ (mit einem Gastauftritt der legendären Grand Dame Marianne Faithfull) oder „The Unforgiven II“ (von „ReLoad“) geht mir noch heute ab und an das Herz auf. Legendär ebenso, für mich: „Mama Said“, eine beinahe schon zarte Lagerfeuernummer mit Akustikgitarre (!) – wenn das kein mutiger Stilwandel war, was sonst? Wenn ich heute Bilder der Band aus eben jener Zeit sehe, muss ich immer wieder daran zurückdenken, wie traurig mein damals bester Kumpel und ich waren, als der damalige Bassist Jason Newsted, welcher 1986 nach dem Unfalltod des sagenumwobenen Ursprungsbassisten Cliff Burton zur Band stieß und danach vom heutigen Saitenzupfberseker Robert Trujillo ersetzt wurde, 2000 die Band verließ…

Garage_Inc_(album)Doch zurück zu meinem persönlichen Erstkontakt mit Metallica. Denn den hatte ich ausgerechnet mit einer Coverversion: „Turn The Page“, im Original ein feiner, anno 1973 veröffentlichter Country-Schunkler des all American Countryrock-Singer/Songwriters Bob Seger. Metallica machten aus der Nummer, in welcher Seger über das Für und Wider des stets unsteten Tourlebens eines (Rock-)Musikers schreibt, einen höchst charismatischen derben Klopper (freilich nicht mal Metal-lastig, aber ich mit meinen damals zart pubertären 15 Jahren empfand es so). Toll auch und vor allem: das dazugehörige Musikvideo des sowieso für Qualitätsmaterial bekannten schwedischen Regisseurs Jonas Åkerlund (u.a. auch Musikvideos für Moby, Madonna, The Prodidys „Smack My Bitch Up“, The Smashing Pumpkins, Lady Gagas „Paparazzi“ oder Rammstein, aber auch Filme wie „Spun“ oder „Horsemen“), in welchem dieser das Umherziehen des Musikers auf das harte Leben einer alleinerziehenden Mutter (gespielt von der Pornodarstellerin Ginger Lynn), die sich mit Jobs in schäbigen Table-Dance-Bars und gar auf dem Straßenstrich herumschlägt, um sich und ihr Kind, das währenddessen nächtelang in heruntergekommenen Motels auf die Mutter wartet, durchzubringen. Klar dass MTV das Musikvideo damals aufgrund der recht realistischen, ungeschönten Darstellungen von Sex und Gewalt nicht ausstrahlen wollte… Mich hatten Metallica mit dieser Mischung aus einem tollen Stück ein noch tolleres zu machen, diesen Melodien, dieser Art des Rocks, ihrer provokanten Form der Sozialkritik zumindest im Sack. Das dazugehörige Album „Garage Inc.„, auf dem sich nur noch mehr tolle Coverversionen von Bands wie Black Sabbath, Nick Cave and the Bad Seeds, Lynyrd Skynyrd oder Queen befanden, ließ ich mir nach dessen Erscheinen im November 1998 von Oma (!) zu Weihnachten schenken. Der Rest sind Geschichten. Der Rest ist Geschichte…

 

 

 

Rock and Roll.

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