Song des Tages: Matula – „Tapete“


Matula

Wer kennt das nicht? Jahr für Jahr erscheint so viel neue, gute und definitiv hörenswerte Musik, mit der man sich gern länger und ausdauernder beschäftigen wollte und sollte, die man tiefer ins Hörerherz schließen möchte, weil tief nie tief genug ist, und man nie genug von dem ein oder anderen Song bekommen kann. Freilich rutscht da die ein oder andere Band (slash: Veröffentlichung) schonmal unterm Radar durch und wird zuerst beiseite gelegt, dann übersehen und schlussendlich schlichtweg überhört. Man(n) hat ja auch nur zwei Ohren…

48527f10-matula_cover_LP_webBei mir so passiert mir dem norddeutschen Vierergespann Matula, deren Namenleihe vom Hausrauf-Privatdetektiv Josef Matula aus der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“ schon passt, denn auch Sänger und Gitarrist Thorben, Gitarrist Sebastian, Bassist Stefan und Drummer Robert haftet etwas Unaufgeregtes, Direktes, Bodenständig-sympathisches an – typisch „norddeutsch“ eben. Eventuell spielt da auch die Erfahrung eine Rolle, denn Newcomer sind Matula beileibe nicht. Die Band gibt es schon seit mehr als zehn Jahren, auch wenn Proben der verschiedenen Wohnorte wegen (2004 ziehen Thorben, Stefan und Sebastian vom heimatlichen Neumünster gen Hamburg, Robert zieht nach Kiel) mittlerweile logistische Abstimmungen nötig machen. Zu welchem Musikgenre Matula gehören, weiß selbst Frontmann Thorben nicht so genau. Irgendwo Punk, irgendwo Indie, auf jeden Fall ziemlich rockig. Während man die ersten beiden Alben der Band – „Kuddel“ (2007) und „Blinker“ (2010) – noch irgendwo im Dunstkreis von Kapellen wie den ebenfalls aus Hamburg stammenden Captain Planet ansiedeln konnte, macht vor allem das im Februar 2014 erschienene dritte Werk „Auf allen Festen“ einen reiferen, überlegteren Eindruck, selbst wenn Sänger Thorben ab und an mal die Stimme etwas lauter stellt. Dass man auch mit Melodien, die hängenbleiben, nicht gleich zu so unerträglichen Deutschrock-Biedermännern wie Revolverheld mutieren muss, versteht sich wohl von selbst. Dass man dabei trotzdem so unaufgeregt von den kleinen und großen, den offensichtlichen und abseitigen Dingen des Alltags erzählen kann, wie es Matula in den elf Stücken von „Auf allen Festen“ tun, ist schön anzuhören, während einem die letzten Züge des Winterwetters durch Gesicht pfeifen…

 

Mit „Tapete“ haben Matula ausgerechnet den wohl untypischsten Song der Platte an den Anfang von „Auf allen Festen“ gestellt. Macht aber nichts, denn das Stück ist vor allem eines: tagträumerisch schön.

 

„Ein Auto ausgeliehen
Früh am Morgen losgefahren
Als du aufstandst noch gedacht
Wärst gerne mal zuhaus‘
Verdammt, wer hat das erfunden?
Den Schreibtisch und die Bücher
Zu denen du immer fährst
Dich keiner danach fragt
Keiner danach fragt

Fünf Thermobecher Kaffee
Dir wird immer noch nicht schlecht
Gibst deine Arme ab, um etwas zu fühlen
Da geht lang nichts mehr
Er wartet nicht zuhaus‘
Kratzt alles in ein Tischbein
Damit es keiner liest
Damit es keiner liest
Damit du es vergisst

Und alles nur weil man den weißen Abdruck sieht, wenn man den Schrank verschiebt
Weil man den weißen Abdruck sieht, wenn man den Schrank verschiebt
Da kann doch Peter nichts dafür
Wenn du daran denkst
Da kann doch Peter nichts dafür
Wenn du schreist und ‚Abdruck‘ denkst
Kann keiner was dafür, wenn du daran denkst
Kann keiner was dafür…“

 

Rock and Roll.

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