Song des Tages: Wanda – „Bologna“


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So leicht springe ich ja nun wirklich nicht auf irgendwelche „Trendzüge“ auf, in deren ständig wechselnden Abteilen uns mal wieder ein ach so auf Kulturtrends getrimmter pfiffiger Musikjournalist die neuste „heiße Band“ kredenzen will, die künftig noch „gaaaanz steil“ gehen werde… In diesem Fall mache ich – mit ein, zwei Abstrichen auf Albumlänge – aber gern mit.

„In diesem Fall“ bezieht sich denn auf Österreichs neusten Popexport – und damit ist explizit nicht die letztjährige Eurovision Song-Chanson-Gewinnerin Conchita Wurst, diese um Gleichberechtigung kämpfende Pop-Dragqueen mit Vollbart und großer Stimme, gemeint. Vielmehr habe ich seit vielen Wochen einen derben Ohrwurm – und das ausgerechnet durch ein Stück, das mit einigem Schmäh, toller Melodie und unnachahmlicher Wiener Mundart überzeugt: „Bologna“ von Wanda.

AmoreWan… wer? Zugegeben: Wem Künstler wie Falco, der ja – tot oder nicht – irgendwie immer ins Spiel kommt, sobald es um Musik aus Österreich geht, sowieso schon immer spinnefeind waren, der darf und wird auch an der 2012 von Sänger und Frontmann Marco Michael Wanda und vier Kumpels Manuel Christoph Poppe (Gitarre und Backgroundgesang), Christian Hummer (Keyboard, Piano und Backgroundgesang), Ray Weber (Bass und Backgroundgesang) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug) ins Leben gerufene Wiener Band Wanda einen weiten Bogen machen. Für alle anderen haben die fünf im vergangenen Oktober mit ihrem Debütwerk „Amore“ wohl einen der feinsten Einstiege in die Musikwelt hingelegt, der mit zwölf Song irgendwo zwischen – jawohl! – Falcos Gespür für schmissigen Pop, Rainhard Fendrichs Achtziger-Mundarthits, Melodien, die in einem Paralleluniversum auch von einer Wiener Variante der Beatles stammen könnten (oder eben von einer Italo-Disco-Truppe) sowie einer Messerspitze Rock’n’Roll-Lifestyle nach Machart der österreichischen Hauptstadtmetropole überzeugen. Ob man das Ganze nun flugs „Austropop“ oder „Alpen-Rock’n’Roll“ tauft, ist im Grunde egal. Am Ende des Tages stehen da mit Wanda fünf selig grinsende Kerle auf der Bühne, die sich selbst am meisten über ihren Erfolg, der das Debütalbum bislang bis in die Top 20 der heimischen Ösis-Charts spülte, freuen, und aktuell gemeinsam mit anderen Künstlern und Bands wie Bilderbuch, Ja,Panik oder Der Nino aus Wien die Speerspitze einer Generation jünger österreichischer Musikschaffender bilden, die beweisen, dass der Alpenstaat längst mehr zu bieten hat als Mozart, Wintersportler oder blindblöden Jörg Haider-Wiedergängern. Frisches Popblut etwa, dem die Nähe zum windschiefen Chanson ebenso unpeinlich vor der Brust vor sich herträgt wie das eben noch vorgetragene Mundart-Liedgut. Romantisch, modern und von Neonlichtern beleuchtet? Alles geht, nichts muss. Und selbst für die, so einer derartige Menge an Wiener Schmäh auf Albumlänge einfach zu viel finden, sind doch immer noch ein, zwei Ohrwürmer dabei…

Da passt auch und vor allem die Single „Bologna“, in welcher Marco Michael Wanda vom Liebesglück (s)einer entfernten Tante im italienischen Bologna berichtet und sein explizit sexuelles Verlangen nach (s)einer halbitalienischen Cousine lauthals in die warme Sommernacht hinaus singt. Ob all das nun am Ende des Poptages wahr ist oder doch nur – nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ – frei erfunden – wen interessiert’s! Schöner als in den dreieinhalb Minuten von „Bologna“ hat der Ruf nach Sommer, Sonne, Sonnenschein und lauschigen Mondscheinnächten lang nicht geklungen – eine feine Prise Trash, zu der auch passt, dass Wanda und die beiden befreundeten Filmemacher Wolfgang Seehofer und Florian Senekowitsch das dazugehörige Musikvideo zu „Bologna“ in ebendieser Stadt im Norden des Stiefelstaates für spottbillige 600 Euro produziert haben – eben das, was die Tickets für Hin- und Rückfahrt gekostet haben… Darauf einen Schnaps, und dann alle: „Amore!“

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„Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen
Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht
Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine reden
Obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht

Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht
Amore, meine Stadt
Tante Ceccarelli hat einmal in Bologna Amore gehabt
Bologna, meine Stadt

Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine reden
Obwohl ich gerne würde, aber wir trauen uns nicht
Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine tanzen
Obwohl ich gerne würde, aber sie traut sich nicht

Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht
Amore, meine Stadt
Tante Ceccarelli hat einmal in Bologna Amore gehabt
Und eins merk dir genau:

Wenn jemand fragt wohin du gehst
Sag: „Nach Bologna!“
Wenn jemand fragt wofür du stehst
Sag: „Für Amore, Amore!“

Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht
Amore, meine Stadt
Tante Ceccarelli hat einmal in Bologna Amore gehabt!
Bologna, meine Stadt

Bologna, meine Stadt…“

 

Rock and Roll.

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