Song des Tages: Tomte – „Füll deine Lungen mit Feuer“


Tomte 2008

Oktober 2008. Ich hatte vor wenigen Monaten meinen zeitweiligen Wohnsitz in die spanische Hauptstadt verlegt. Dass Madrid in eben jenem Jahr, in dessen langem, heißem Sommer über Monate hinweg nicht ein Tropfen Regen fiel, neben vielen Sonnenplätzen auch so einige Schattenseiten zu bieten hatte, und vor allem mein Stadtteil Lavapiés neben einigem Multimulti (so schaute ich Tag für Tag aus meinem Balkonfenster auf einen Afrika-Shop auf der anderen Straßenseite, vor dem es sich tagtäglich einige Männer in langen, weiten Kaftanen gemütlich machten, sich schon morgens in ihre lautstarken Gespräche vertieften und von da an bis zum frühen Abend nicht abzurücken schienen) – trotz der Nähe zum Stadtzentrum – auch seinem Ruf als einer der kriminellsten Orte der spanischen Drei-Millionen-Einwohner-Metropole bestätigen sollte, musste ich nicht lang nach meiner Ankunft am eigenen Leib erfahren, als Einbrecher mitten in der Nacht über den Balkon in mein Zimmer einstiegen und so Einiges an Wert mitgehen ließen – und was während ich mich schlafend im Zimmer befand (und trotzdem im Nachgang an nichts erinnern konnte)… Verbucht unter: Erfahrungswert No. 271, auch bei heißen spanischen Sommernächten stets die Balkontür verschlossen halten, bitte!

HeurekaEine der schönsten Erinnerungen an jene Zeit – und das waren, damit wir uns nicht falsch verstehen, so einige! – habe ich an den 10. Oktober vor gut sechs Jahren. An diesem Tag war gerade eben „Heureka„, das fünfte Album der Hamburger Indiejungs von Tomte, frisch erschienen – ein Album, dessen Veröffentlichung ich schon über Monate hinweg herbeigesehnt hatte. Dank iTunes Store konnte ich mir das damals neuste – und bis heute letzte – Werk der Band um Frontmann Thees Uhlmann auch fernab der Heimat aufs digitale Abspielgerät laden. Ich nahm meinen iPod, trat hinaus in einen goldenen, sonnig-warmen Herbst und lief von Lavapiés – obwohl ich auch gut und gern die gelbe Metro-Linie No. 3 hätte nehmen können – bis zur Puerta del Sol, durchs stets geschäftige und vor allem von Touristen bevölkerte Zentrum, dann bis zum Königspalast und wieder zurück – in meinen Gehörgängen die gute Stunde neuer Tomte-Songs auf Repeat. Wenn ich heute zurückdenke, dann kommt mir neben dem ebenso großen wie Gänsehaut erzeugend tief gehenden „Wie sieht’s aus in Hamburg?„, bei dessen Thees Uhlmann-Zeile „Und alle zwanzig Minuten denkst du an Elliott Smith“ ich mich von einem Moment zum nächsten so verstanden und aufgehoben gefühlt habe wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr, vor allem „Füll deine Lungen mit Feuer„, welches als B-Seite der ersten Album-Single „Der letzte große Wal“ bereits einige Wochen früher erschienen war, in den Sinn. Mag es am am Ende der knapp vier Minuten feinst rockig-derb zupackenden Finale des Songs liegen. Oder aber an der Zeile „Ich bewahre alles auf was du berührst“, in der so viel Nostalgie, Liebe und Hoffnung auf das Gute in uns allen steckt, dass das Stück davon beinahe überbordet. Freilich, Thees Uhlmann läuft bekanntlich ständig Gefahr, seinen Pathos wie ein großes Transparent vor sich herzutragen – ob nun bei Tomte oder mittlerweile auf seinen zwei bislang veröffentlichten Solowerken. Aber wer wie ich einer guten Prise pathetischem Lebensgefühl nie ganz abgeneigt ist, für den sind Momente wie diese eine Wonne. Noch heute ist „Heureka“ – wohl vor allem dieser sonnenbeschienen Augenblicke in Madrid wegen, an denen ich die Platte zum ersten Mal hörte und auch allen durchwachsenen Plattenkritiken zum Trotz – mein liebstes Tomte-Album, das ab und an noch – ob nun in Einzelstücken oder als Ganzes – in meine Playlist wandert und wohl auf ewig einen Platz in meinem Hörerherzen sicher hat. Ach, Madrid…

 

Da YouTube und Co. einem bei der Suche nach „Füll deine Lungen mit Feuer“ den eiskalten Mittelfinger mit „Gibt’s nicht!“-Tattoo zeigen, müsst ihr an dieser Stelle leider ohne eine direkte Einbindung auskommen. Gehört werden kann die B-Seite zur „Der letzte große Wal“-Single jedoch via Spotify oder bei bop.fm.

 

„Füll‘ deine Lungen mit Feuer
Spuck‘ das Feuer in die Welt
Ich erklär‘ dir alles mit E-Moll und C
Du zählst die Tage
Und die Anderen zählen das Geld

Ich bewahre alles auf was du berührst
Ich bewahre alles auf was du berührst

Gib den Sachen einen Namen, der was taugt
Und wertschätze die Dinge auf die du baust
Du lebst wie ein Amboss
Und warum zittert dein Kinn?
Ich bin das, was ich sage
ich bin das, was ich bin

Ich bewahre alles auf was du berührst…“

 

Rock and Roll.

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