Song des Tages: Keith Mina Caputo – „Got Monsters“


got monsters

Ich kenne Mina Caputo schon eine ganze Weile – zwar nicht wirklich persönlich (einmal hatte ich nach einem Konzert in Madrid die Chance, mich kurz mit ihr zu unterhalten), dafür verfolge ich den Werdegang der 41-jährigen New Yorker Musikerin recht aufmerksam. Damals, 2000, als sich Caputo mit ihrem hervorragenden, berührenden Solodebüt „Died Laughing“ auf meinen musikalischen Radar drängte, nannte sich Mina noch Keith und war den meisten rockaffinen Musikhörern als der kleine derwischartige Frontmann mit der umso größeren Stimme der Alternative Metal-Rocker Life Of Agony bekannt. Dass allerlei Dämonen durch Caputos Seelenleben spuckten, war wohl für keinen ein Geheimnis, der einmal eine Show von Life Of Agony oder Caputo besucht hat oder aufmerksam den offenherzig lyrisch verzweigten Texten des einst so machistisch auftretenden Musikers gelauscht hat. Caputo wuchs inmitten von Armut, Missbrauch, Gewalt und Verbrechen auf, wurde von ihren heroinabhängigen Eltern vernachlässigt, musste sich oft allein durchschlagen – solch eine hollywoodreife Biografie prägt freilich fürs Leben, und durchzog auch den Großteil der traurig-tristen, kraftvollen Texte der Musikerin.

Als Caputo 2010 den fast zwölfminütigen Musikvideo-Kurzfilm zum Song „Got Monsters (I No Longer Exist)“ veröffentlichte, der ursprünglich vom 2003 erschienenen Solowerk „Perfect Little Monsters“ stammte, waren die Bilder an sich, die einen Tag im Leben einer transgender lebenden Person zeigen, welche langsam versucht, ihren Frieden mit der Person zu schließen, deren Augen sie da tagtäglich aus dem Spiegel heraus anstarren, freilich bereits berührend genug. Und anhand des Fakts, dass auch Caputo selbst – zwar mit langen Haaren, aber offiziell noch „Keith“ – eine Rolle in dem Musikvideo spielte, hätte man bereits ahnen können, was ein Jahr später – also: 2011 – offiziell folgte: aus Keith Caputo wurde Keith Mina Caputo, die sich via Twitter und dem ein oder anderen Interview als transgender beziehungsweise transsexuell lebende Frau outete. Die „monsters“, von denen sie vorher oft genug gesungen hatte, teilte Caputo nun auf Gedeih und Verderb mit der Welt. Dass sie damit – gerade aktuell – kaum allein dasteht (aus dem ehemaligen Against Me!-Frontmann Tom Gabel wurde etwa 2012 in aller Öffentlichkeit die Frontfrau Laura Jane Grace), dürfte jedem bekannt sein, der sich mal ein klein wenig mit der Transgender-Thematik beschäftigt hat. Aber in all den Jahren war kaum ein Dokument so berührend wie die zwölf Kurzfilmminuten des französischen Regisseurs Niko Bikialo, denen Caputo 2010 sein großartig offenes „Got Monsters“ lieh. Und das ist es noch immer…

 

 

„I’ve got monsters
How ‚bout you?
I was born a monster
Do you hide your monsters too?

Now everybody else in here
What has become of you?
I’ve got monsters
How about you?

We got monsters
We suffer like the rest
Man, I don’t know, and I don’t care
What a lovely home we share
What a tangled web we have weaved…

Now everybody else in here
What has become of you?
I’ve got monsters
How about you?

Now everybody else in here
What has become of you?
I tiptoed up to my daughters room
And I saw her monsters, too…
I’ve got monsters
How about you?

Yes, I’ve got monsters, too…
Yes, I’ve got monsters…
Too…“

 

Rock and Roll.

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