Die Hände als Dirigenten der Reibeisenstimme von Woodstock – Joe Cocker ist tot.


J. Cocker

 

„I was in Germany when the wall came down…“

 

Zuallererst kommen mir die Bilder von Woodstock ’69 in den Sinn, in denen dieser damals noch recht unbekannte 25-jährige britische Musiker auf der Bühne steht und gemeinsam mit (s)einer Band vor der alsbald legendären Kulisse aus Love, Peace und allerhand sonnenbeschienenem Schlammhappening eine Setlist aus elf Songs zum Besten gibt, von denen vor allem der letzte – ein vereinnahmendes Cover des Beatles-Evergreens „With A Little Help From My Friends“ – ihn schon sehr bald weltberühmt machen wird. Seitdem sind viele Jahre vergangen, in denen sich Ländergrenzen verschoben haben, Staats- und Regierungschefs kamen und gingen, sich vor allem die internationale Kulturszene mehrfach umgewälzt und selbst erneuert hat. Joe Cocker, 1944 in der nordenglischen Stahlmetropole Sheffield geboren und – ganz Working Class – gelernter Gasinstallateur, war irgendwie immer da. Selbst im letzten Jahrzehnt, als es um den Rocksänger mit der ganz und gar unverwechselbaren Reibeisenstimme etwas stiller geworden war (während er freilich weiter Musik aufnahm und auf Tournee ging), lässt sich Cockers Einfluss, an dem wohl auch Instant Classics wie „You Can Leave Your Hat On“, „You Are So Beautiful“, „Unchain My Heart“ oder „Summer In The City“ nicht ganz unschuldig sind, nicht leugnen. Unvergessen ebenso sein Auftritt am 12. November 1989 – drei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer – beim „Konzert für Berlin“ in der Westberliner Deutschlandhalle vor abertausenden von berauscht feiernden Menschen aus Ost wie West. Der Mann, der beim Singen stets seine unnachahmlichen Handbewegungen vollführte, als dirigiere er seine eigenen Stimmbänder, war gelebte Musikhistorie.

Nun ist Joe Cocker tot. Er starb in der Nacht auf Montag im Alter von 70 Jahren an Lungenkrebs, wie sein Management mitteilte. „Wir sind sehr traurig“, sagte eine Sprecherin. Und allem traurigen Anlass zum Trotz – gestern verstarb mit Udo Jürgens ein Stück deutsche Musikgeschichte, von der man bis vor wenigen Stunden ebenfalls den Eindruck hatte, dass sie (beziehungsweise Jürgens) schon immer irgendwie da gewesen war und auf ewig sein würde, ganz egal, wie viel einem selbst seine Musik tatsächlich bedeutete – passt der Kommentar einer Freundin, den ich vor wenigen Minuten auf Facebook las: „Der Winter holt seine Kinder“. Die Stimme stirbt, doch der Nachhall währt ewig.

 

 

Rock and Roll.

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