Mein Senf: The Bob Geldof Singers – fünf Minuten Zeit für Afrika


Foto: dpa

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Mal abgesehen davon, dass man – oder geht das nur mir so? – jedes Mal eine ganz und gar unschöne Fremdschäm-Gänsehaut bekommt, wenn man dabei zuschaut, wie da eine Horde ach so bedrückt und ernsthaft dreinschauender Popmusikanten im Tonstudio zusammen hockt (respektive: vorm Mikro steht), um voller Inbrunst ein Lied für all jene einzusingen, denen es eben nicht so gut und großartig geht wie ihnen: Wem nutzt eigentlich „Band Aid 30“, jenes Projekt von Sir Bob Geldof, das zum 30. Jubiläum der Ursprungscharityaktion „Band Aid“ und im Windschatten der Ebolameldungen aus mehreren westafrikanischen Ländern seine internationale Neuauflage erfährt, wirklich mehr: Afrika oder Geldof und seiner – freilich karitativ, aus tiefstem Bewusstsein für „die Sache“ und komplett unentgeltlich – angetretenen Künstlerschar?

Dieser Frage widmet sich auch Jan Böhmermann in der neusten Ausgabe des „Neo Magazins“. Natürlich ist vieles, was da in der Rubrik „Eier aus Stahl“ ausgesprochen wird, nur zu einhundert Prozent bierernst zu nehmen, und auch Geldofs karitatives Engagement (Stickworte: Band Aid und seiner Neuauflagen, Live Aid, Live 8) ist – im Grunde und über die Jahrzehnte gesehen – durchaus löblich. Da hat ein durchaus mediokrer One-Hit-Wonder-Musiker (damals, 1979, war’s, als Geldof mit seiner damaligen Band The Boomtown Rats und dem Song „I Don’t Like Mondays“ tatsächlich selbst in den Charts Erfolg hatte) (s)eine Lebensaufgabe gefunden. Ebenso wenig möchte man einem der teilnehmenden Musiker der Neuauflage, die parallel in England, Frankreich und Deutschland losgetreten wurde, das Wissen um die vermeintliche Ernsthaftigkeit der Sache in Abrede stellen. Nur wirkt all dieses „Wir aus den ach so reichen Industrienationen nehmen uns jetzt mal fünf Minuten unserer ach so wertvollen Künstlerzeit, um euch eh schon armen und jetzt auch noch an Ebola erkrankten *hust* ‚Schweinen‘ zu helfen und singen gemeinsam ein Weihnachtslied“-Gehabe immer auch ein kitzekleinwenig scheinheilig. Und wenn Campino, seines Zeichens Frontmann der Düsseldorfer Altbier-Konsenspunks Die Toten Hosen und nun auch Hauptverantwortlicher des deutschen „Band Aid 30“-Ablegers, dann auch noch Sätze wie „Kauft die Platte, ladet sie euch runter. Ob ihr den Song mögt oder nicht, ist eher zweitrangig.“ ins Feld wirft, dann stellt sich wirklich die Frage: Wieso nicht direkt spenden? Weihnachten kommt und geht auch ohne eure fünf Minuten karitativen Eifer…

 

 

(Wer’s wirklich wagen und hören mag: in der ARD-Mediathek steht das Musikvideo zur deutschen Version von „Do They Know It’s Christmas?“ bis zum 12.12. zum Anschauen bereit…)

 

Rock and Roll.

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2 Gedanken zu „Mein Senf: The Bob Geldof Singers – fünf Minuten Zeit für Afrika

  1. […] Dass Jan Böhmermann und ich zwar nicht immer, aber immer öfter einer Meinung sind, dürfte ja hinlänglich bekannt sein. […]

  2. […] Woche um Woche für ein kleines Skandälchen sorgen. Mal müssen die Altbier-Punks der Toten Hosen dran glauben, mal die „Schwiegertochter“-Kuppel-Schmalzbirne Vera Int Veen, mal der von […]

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