Song des Tages: The Irrepressibles – „In This Shirt“


the irrepressibles in this shirt

Manchmal lässt einem ein Lied keine Wahl. Man ist gezwungen, innezuhalten. Warum, das weiß man in diesem Moment wohl selbst nicht so genau…

So ging es zumindest mir kürzlich, als ich mir die Verfilmung von Nick Hornbys Roman „A Long Way Down“ anschaute. Wo der Film trotz namenhafter Besetzung (unter anderem mit Pierce „James Bond“ Brosnan, Aaron „Breaking Bad“ Paul und Toni Collette in den Hauptrollen) freilich – mal wieder, „High Fidelity“ ausgenommen – gegen die Hornby’sche Buchvorlage abzustinken wusste und sich in familienunterhaltsamer Larifarihaftigkeit präsentierte, musste ich an einer Filmstelle genau das: innehalten und aufhorchen. Dieses Lied… Schwere, bedächtige Orgelnoten, mal melancholisch gezogene, mal jubilierende Streicherfanfaren. Dazu eine Stimme, die einerseits an das Gesangsorgan von Foals-Fronter Yannis Philippakis, viel mehr jedoch an den großen Antony Hegarty (Antony and the Johnsons) erinnert – und trotzdem mehr jen- denn diesseitig erklingt. Und wäre das nicht bereits Fesslung genug, gibt einem der Text den Rest, so viel aber nie genug…

„I am lost
In our rainbow
Now our rainbow
Has gone…

Overcast
By your shadow
As our worlds move on…

In this shirt
I can be you
To be near you
For a while…

There’s a crane
Knocking down
All those things
That we were…

I awake
In the night
To hear the engines purr…

There’s a pain
It does ripple
Through my frame
Makes me lame…

There’s a thorn
In my side
It’s the shame
It’s the pride…

Of you and me
Ever changing
Moving on now
Moving fast…

And his touch
Must be wanted
Must become
Through your ask…

But I need
Jake to tell you
That I love you
It never rests…

And I’ve bled
Every day now
For a year
For a year…

I did send
You a note
On the wind
For to read…

Our names
There together
Must have fallen
Like a seed…

To the depths
Of the soil
Buried deep
In the ground…

On the wind
I could hear you
Call my name
Held the sounds…

I am lost
I am lost
In our rainbow
Now our rainbow
Has gone…

I am lost“

 

Der Song, „In This Shirt“, stammt Londoner Artpop-Kollektiv The Irrepressibles, das – angeführt vom queer-androgynen Frontmann Jamie McDermott – orchestrale Kammermusik im Stile der bereits erwähnten Antony and the Johnsons mit Ambient, Electronica, barocker Theaterdramatik und einer gefühlten Prise vergangener Zeiten á la Weimarer Republik vermengt. Und, ganz ähnlich wie bei Antony Hegarty & Co. oder den befreundeten Elektronikern von Hercules and the Love Affair, verschwimmen auch beim Musik gewordenen Theaterspiel von The Irrepressibles Gendergrenzen zu einer einzigen melancholisch-sinnlichen Melange.

Das Stück selbst stammt vom 2010 erschienenen Debütalbum des Kollektivs, „Mirror Mirror„, fand jedoch auch – neben dem Einsatz in „A Long Way Down“ – auf dem Soundtrack des spanischen Dramas „Tengo ganas de ti“ sowie in diversen Kurz- und Werbefilmen Einsatz, etwa im faszinierend arrangierten Kurzfilm „The Forgotten Circus“ von Regisseurin Shelly Love

…oder dem zwar leicht verstörend wirkenden, jedoch – aufgrund seiner queren Gender-Ästhetik – perfekt zum Song passenden Kurzfilm „The Lady Is Dead“, welcher ausgerechnet von der israelischen (!) Filmproduktionsfirma „PAG Films“ stammt und so Einiges an NSFW (Not Safe For Work)-Bildmaterial enthält:

 

Und während die seichte Selbstmordthematikunterhaltung von „A Long Way Down“ bereits längst in Vergessenheit geraten ist, hallen die Noten von „In This Shirt“ noch immer nach. Und nehmen den Hörer unweigerlich gefangen, halten ihn fest in ihrer Umarmung. Man will sich gar nicht wehren, zu schön ist all das, was The Irrepressibles innerhalb weniger Takte erschaffen…

 

Rock and Roll.

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