Flimmerstunde – Teil 26


„Snowpiercer“ (2013)

Snowpiercer (Poster)Die Erde im Jahr 2031: Ein Versuch, der globalen Erwärmung mit chemischen Waffen Herr zu werden, ist katastrophal fehlgeschlagen und hat die Welt stattdessen in eine neue Eiszeit gestürzt. Nahezu alles irdische Leben ist ausgelöscht und unter Eismassen begraben. Die wenigen verbliebenen Menschen fristen ein Dasein in ständiger Bewegung: Sie sitzen auf dem „Snowpiercer“ fest, einem gewaltigen Zug, der durch eine „heilige Maschine“ – einem Perpetuum mobile gleich – ununterbrochen angetrieben wird. Die Insassen der Waggons leben in einer kühl operierenden Mikrogesellschaft mit striktem Kastensystem: Die Bewohner der letzten Waggons gehören der niedrigsten Kaste an, die im Dreck lebt und nie das Tageslicht sieht, und werden dementsprechend von den oberen Kasten, welche im krassen Luxus schwelgen und die sie so gut wie nie zu Gesicht bekommen, nach Gutdünken unterdrückt und schikaniert. Unter ihrem widerstrebenden Anführer Curtis (Chris Evans) planen sie den Aufstand gegen den gottgleichen Zugerfinder und -führer Wilford (Ed Harris) und seine autoritären Schergen. Doch wie hoch wird der Preis für die Freiheit sein, wenn doch das Schicksal der Menschheit von einer sensiblen Maschinerie abhängt und jeder Blick auf die äußere Umwelt den eisigen Tod bedeuten könnte?

Szene #1

Der postapokalyptische Thriller „Snowpiercer„, das erste Werk, welches der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho („Mother“, „The Host“) in englischer Sprache für den internationalen Markt dirigierte, basiert auf der französischen Graphic Novel „Le Transperceneige“ von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette. Im Jahr 2004, während der Vorbereitungen zu seinem etwas anderen Monsterfilm „The Host“, war Joon-ho auf das Graphic Novel im Comicladen seines Vertrauens gestoßen und von dessen sozialkritischer Note derart begeistert gewesen, dass er es nicht nur vor Ort in Gänze verschlang, sondern auch seinem Freund, dem Filmregisseur, Drehbuchschreiber und Filmproduzenten Chan-wook Park („Oldboy“, „Durst“), begeistert von diesem Comic-Erlebnis berichtete. Park wiederum sicherte ihnen mit seiner Produktionsfirma Moho Films („Lady Vengeance“) die Rechte an einer Verfilmung des Graphic Novels, doch die Dreharbeiten, welchen zum Großteil in der tschechischen Hauptstadt Prag stattfanden, sollten nicht vor Anfang 2012 beginnen…

Snowpiercer_Banner

Sieht man nun die 126-minütige ungekürzte Filmfassung, deren einheitlicher internationaler Filmstart ausgerechnet von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein verhindert wurde, da dieser meinte, der Film sei „zu intelligent für das US-Publikum“ und müsse daher gekürzt werden (wogegen sich Regisseur Joon-ho verständlicherweise verweigerte), so ertappt man sich einerseits dabei, wie man an so einigen Stellen ob deren Atemlosigkeit und Intensität zusammenzuckt, andererseits aber auch, wie man im Nachgang von „Snowpiercer“ ins Nachdenken gerät. Denn freilich ist Bong Joon-hos Regiedebüt unter einem internationalen Schauspielercast, der mit Chris Evans, Jamie Bell und John Hurt auf Seiten der Unterdrückten und Ed Harris oder Tilda Swinton, die ihre Rolle als ekelerregende Aufseherin Mason mit derart überzeichneter Boshaftigkeit verkörpert, dass man die britische Ausnahmemimin kaum wiedererkennt, höchst delikat besetzt ist, eine endzeitliche und zu großen Teilen surreale Science-Fiction-Dystopie. Andererseits spielt der Film auf durchaus reale Problematiken an, die – denkt man sich den Zug und ein, zwei Meter der allumgebenden Schneedecken weg – auch in der unseren Welt mit ihren „Industrienationen“, ihren „Schwellenländern“, ihrer „dritten Welt, ihren „Heuschrecken“ und „Schurkenstaaten“ vorherrschen. Action und Drama vermengt Bong Joon-ho zu gleichen Teilen in einer großartigen Story, deren gelegentliche Gewaltexzesse fern an die Ästhetik eines Zack Snyder („Watchmen“, „300“) erinnern, sich dabei jedoch ausreichend Bodenhaftung zur Natürlichkeit bewahren. Denn bei aller kühlen Futuristik, mit der das südkoreanische Regieass Joon-ho dieses packende cineastische Meisterwerk ummantelt, wohnt „Snowpiercer“ auch ein gesellschaftskritischer Warnschuss an die gefährdete Zukunft der Menschheit inne… Kein Wunder, dass Hollywood bei dieser Filmperle Bedenken hat, denn solch großartige Werke fördern die Produktionsbüroetagen von Los Angeles heutzutage noch seltener ans Licht der Kinoleinwände als früher. Nein, großartiger und allumfassender als „Snowpiercer“ kann Kino kaum sein.

SNOWPIERCER

 

 

 

 

Rock and Roll.

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