Vorsicht vs. Nachsicht – Darf der Schwabenstern werbewirksam das Hakenkreuz platt machen?


Foto: Tobias Haase

Foto: Tobias Haase

Werbung muss auffallen, sich – bestenfalls – innerhalb weniger Sekunden vom restlichen Werbefilmcheneinerlei als mal nervige, mal willkommene Unterbrechung von Filmen, Fussballübertragungen oder Fernsehsendungen absetzen und unterscheiden. Ob sie das am Ende durch große Effekte, starke Bilder, plumpe Emotionshascherei oder gar zweischneidige Provokation tut, steht auf einem anderen Blatt…

Speziell der deutsche Autobauer Daimler hat sich seine Werbekampagnen in den letzten Jahren einiges kosten lassen – und mit dem investierten Geld auch den ein oder anderen gelungenen Werbespot produzieren lassen. Man erinnere sich da zum Beispiel an jene Reklame, welche vor wenigen Monaten in der Halbzeit des Super Bowl 2013 ihre Premiere feierte. Und die wohl eh schon sauteuren Werbesekunden dürften wohl durch die Beteiligung von Prominenz wie dem Schauspieler Willem Dafoe, Model Kate Upton oder R’n’B-Hüpfer Usher wohl kaum billiger geworden sein… Alles in allem ist die Vorstellung eines neuen Mercedes-Modells jedoch schön anzusehen:

 

 

Nun jedoch sorgt das neuste Ergebnis einer von Daimler unterstützten Förderkampagne für geteilte Meinungen. In dem etwa einminütigen Werbeclip von Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg stoppt die Mercedes-Limousine auf dem Weg durch ein historisch anmutendes Dorf in Österreich dank des Fahrerassistenzsystems automatisch, wenn spielende Kinder auf die Straße rennen. Nur auf den kleinen Adolf steuert das Auto unbeirrt zu – und überfährt ihn. Am Ende bleibt das Kind auf dem Boden liegen, seine Gliedmaßen formen ein Hakenkreuz. Die moderne Limousine verlässt Braunau am Inn, bevor die letzte Einblendung erscheint: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Dabei begibt sich das vom 1981 in Dresden geborenen Jungregisseur Tobias Haase geleitete Filmprojekt gleich doppelt auf dünnes Eis: Darf man in einem Werbeclip ein Kind überfahren lassen? Und: Darf man mit einer Person wie Hitler Werbung machen? Am Ende sind wohl die Antworten auf diese Fragen immer auch eine nach Pietät und Humorverständnis. Die Macher des Clips mussten in das Video auf ausdrücklichen Wunsch des Autoherstellers nachträglich Hinweise einfügen, dass Daimler mit dem Spot nichts zu tun hat. Und auch die Stellungnahme des schwäbischen Konzerns fiel erwartetermaßen reserviert aus: „Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden, auch wenn es sich hier nur um einen ‚fiktiven‘ Werbespot handelt.“

Meiner Meinung nach dürften gern mehr solcher Werbespots im bundesdeutschen Fernsehen laufen. Denn so provokant diese Reklamesekunden auch sein mögen, so versteht am Ende doch jeder Zuschauer die mehr oder minder unterschwelligen Botschaften. Plus: Die tatsächlich beworbene technische Neuerung wird ebenso höchst schwarzhumorig wie anschaulich erklärt. Oder wie es der Macher Tobias Haase ausdrückt: „Es gibt unglaubliches Potenzial, tolle Filme zu machen, aber die Firmen wollen zumeist ihre technischen Neuerungen gezeigt haben. Das ist langweilig.“ Witzig, ironisch, innovativ, einprägsam – und Daimler dürfte es – Abstandnahme hin oder her – am Ende wohl mehr positive als negative PR gebracht haben. Wer sich da aufregt, ist kleinkarierter Spießbürger aus Berufung…

 

 

Rock and Roll.

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