Auf ein Wort: Rainer Schaller von Slut


Rainer Schaller (2. v.r.) inmitten seiner Band Slut

Rainer Schaller (2. v.r.) inmitten seiner Band Slut

Inmitten der heutigen Veröffentlichungseuphorie ihres neusten „Albumbabies“ namens „Alienation„, welches auch ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ ist, haben wir Slut-Gittarist Rainer Schaller auf digitalem Wege abfangen können, um ihm ein paar Fragen rund um die Band, das Album und seine persönlichen Hintergründe zu stellen…

 

Hallo Rainer. Was hat sich seit eurem letzten regulären Album „StillNo1“ – für dich – am meisten verändert bzw. welches Ereignis beziehungsweise welche Veränderung war die wichtigste und/oder prägendste?

Rainer Schaller: Ereignisse gab es in diesen fünf Jahren gefühlt mehr als genug. Bitte endlich wieder weniger Ereignisse!

Eurer neues Album heißt „Alienation“. Inwiefern macht sich diese „Entfremdung“ aus deiner Sicht am deutlichsten in der heutigen Gesellschaft bemerkbar?

R.S.: Es ist ja ein Merkmal unserer Zeit, dass es keine Utopien und keinen Konsens mehr gibt. Da erscheint die Retrospektive leicht als einzig verlässliche Orientierungshilfe. Bestes Beispiel ist der „Retrowahn“ in vielen Bereichen. Wenn das Unbehagen wächst, wenn es Angriffe von außen gibt – so wird die Globalisierung ja von vielen empfunden – besinnen sich die Menschen auf ihre Vergangenheit und deren Ikonen.
Entfremdung entsteht in großen Teilen durch Professionalisierung. Die nimmt allgemein zu. Das hat für die Politik den Vorteil, dass sich immer mehr Leute „heraus“ halten. Dann fallen so Ausdrücke wie „Alternativlos“ und es wird so getan, als gäbe es immer nur eine Möglichkeit.

Das Album wurde in verschiedenen Studios und mit unterschiedlichen Produzenten in ganz Deutschland aufgenommen. Trotz dieser Fakten sind keinerlei größere Brüche bemerkbar. Inwiefern zieht sich für dich – abgesehen vom Hauptsujet der Entfremdung, das über Allem prangt – nun ein roter Faden durch’s Album?

R.S.: Der Kitt, der alles zusammenhält, ist der Gesang von Chris. Rhythmus, gepaart mit klareren Aussagen in den Lyrics, kombiniert mit einzelnen Slut-typischen Details sind die Elemente, die Slut in der Gegenwart symbolisieren.

In vielen der ersten Reviews zu „Alienation“ wird bemängelt, dass die Songs nicht mehr, wie früher, den direkten Weg zum Hörer suchen und finden, dass Slut 2013 eher eine „Band für die Feuilletons“ sind. Inwiefern unterscheidet sich die Platte für euch von früheren Werken wie „All We Need Is Silence“, „Nothing Will Go Wrong“ oder „StillNo1“, inwiefern steht sie dem ebenfalls als Konzeptalbum angelegten „Lookbook“ nahe?

R.S.: Den vermeintlich „direkten“ Weg gibt es auch kaum mehr im Alltag – wenn auch versucht wird, jedem einzelnen es so zu verkaufen. Man denke nur an Computer-Hotlines, Call-Center, etc. Den direkten Ansprechpartner gibt es nicht mehr wie früher. Wir stellen aber in „Alienation“ dem Hörer den Gesang zur Seite, er ist sein ständiger Begleiter. Der Rest ist die Reise durch den vielfältigen Alltag, durch verschiedene Länder und Zeiten, angetrieben von einem Beat, der scheinbar nicht aufhören will.

Was sind eure nächsten Pläne?

R.S.: Wir haben schon lange aufgehört, uns konkrete Pläne zu stricken, was unsere Musik angeht. Die interessantesten, prägendsten und besten Projekte sind uns immer zugelaufen wie scheue Rehe. Wir freuen uns wahnsinnig auf die Live-Umestzung von Alienation im Herbst und zur Tour im Januar 2014. Erst auf Konzerten löst sich das, was man sich auf einer Platte ausgedacht hat, richtig ein.

 

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…
Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

R.S.:  Kirchenmusik von Schubert und mein erstes Rock´n Roll-Konzert im Leben: Ramones.

Welches sind deine – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

R.S.: Brain Eno, weil er sich sowohl als Produzent wunderbar in Bands einfühlen beziehungsweise Bands unterordnen kann und gleichzeitig als Musiker genial ist und sich vor nichts verschließt.

Wenn du die Möglichkeit hättest, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

R.S.: Mit Tobias Siebert [einer der Produzenten von „Alienation“ sowie ehemaliger Sänger und Gitarrist der deutschen Band Klez.e – Anm. d. Red.]. Wir setzten das auch gleich in die Realität um und er begleitet uns auf unserer Tournee mit seinem großartigen Soloprojekt „The Golden Choir“ und spielt bei uns als sechstes Bandmitglied mit.

Deine 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt…

> Cliff Martinez – Drive Soundtrack
> The Cure – Disintegration
> Joasihno – A Lie
> Frank Ocean – Channel Orange
> Bill Withers – Bill Withers – Live At Carnegie Hall

…und deine 5 Platten für die einsame Insel?

> Chilly Gonzales – Solo Piano
> Arvo Pärt – Alina
> Barry White – fast alles
> Roxy Music – Roxy Music
> die gesamte Beatles-Box

 

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit ANEWFRIEND genommen hast!

(…und „Danke!“ an Janna von „Off The Record“ für die schnelle Vermittlung von Fragen und Antworten!)

 

Aber am Ende geht’s doch immer noch und immer wieder um die Musik, oder? Mit „Next Big Thing“ konnte man auf ANEWFRIEND ja bereits einen Song von „Alienation“ hören… Hier gibt’s mit dem feinen „Remote Controlled“ ein weiteres Stück vom heute erschienenen siebenten Slut-Album:

 

Rock and Roll.

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