„Drown in my own tears“ – zum 16. Todestag von Jeff Buckley


Jeff Buckley

Vor 16 Jahren entschied sich ein junger Mann, im Wolf River (Memphis, Tennessee) schwimmen zu gehen, während aus dem Radio des in der Nähe geparkten Wagens Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ tönte, und ihm ein Freund am Ufer dabei zusah, wie er sich treiben ließ und lauthals mitsang. Plötzlich wurde er von der Bugwelle eines nahenden Schiffes erfasst und unter Wasser gezogen. Sein lebloser Körper wurde erst fünf Tage später gefunden. Dieser junge Mann hieß Jeff Buckley

jeff buckley newsNatürlich mag ein nicht unerheblicher Teil der Bekanntheit und Verehrung Buckleys darin begründet liegen, dass dieser so jung (er war zum Zeitpunkt seines Todes gerade einmal 30 Jahre alt) und unter so mystischen wie tragischen Umständen ums Leben kam. Natürlich mag manch einer aus dessen nicht weniger tragischer und geradezu „Rockstar-liker“ Familientragödie (sein leiblicher Vater, der bekannte Folk- und Jazzsänger Tim Buckley, starb 1975 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis Heroin) oder aus Jeff Buckleys durchaus tränenreicher Musik in Nachhinein verhängnisvolle Zukunftsomen lesen. Doch am Ende bleibt uns „Grace“ – jenes einzige Album, das Buckley zu Lebzeiten fertig stellte (als er starb, befand er sich mitten im Schreibprozess für den Nachfolger „Sketches For My Sweetheart The Drunk„, dessen Demo-Aufnahmen nach seinem Tod von Freunden und Verwandten vervollständigt wurden und 1998 postum veröffentlicht wurden). Klar, Buckleys Version des (zu) oft gecoverten Leonard Cohen-Stückes „Hallelujah“ wird wohl auch in 100 Jahren noch jeglichen anderen Interpretationsversuch mit Leichtigkeit überstrahlen (und nicht nur Cohen selbst ist sich sicher, dass diese Version besser ist als das eigene Original!). Dennoch besitzen die zehn Stücke der regulären Albumversion (2004 erschien die überaus empfehlenswerte und um etliche Bonus Tracks sowie eine DVD mit Musikvideos erweiterte „Legacy Edition“) auch 19 Jahre nach Erscheinen eine annähernde Perfektion, Emotionalität und Strahlkraft, die wohl keinen Hörer kalt lassen kann. Jeff Buckley sang mit der markerschütternden Stimme eines in die Gosse gefallenen Engels, spielte Gitarre, als hätte er es Robert Johnson – der Legende nach – gleichgetan und dem Teufel seine Seele an jener Kreuzung im ländlichen Mississippi ebenso im Tausch für zehn bluesgetränkte Finger vermacht – und trotz allem war er auch im Punk, im Grunge, in der Weltmusik, dem Jazz und dem Songwritertum Dylans tief verwurzelt. Die eierlegende musikalisch-manische Wollmilchsau, quasi. Auf Konzerten vor und nach dem Erscheinen seines Debütalbums (hier sei besonders auf die 2003 erschienene Komplettversion des „Live At Sin-é“-Konzertes verwiesen, wo man Buckleys Genialität während eines mehr als zweieinhalbstündigen Solo-Auftritts bewundern kann) deutete der meist scheue und in sich gekehrte Musiker all die Großtaten, die wohl noch von ihm zu erwarten gewesen wären, oftmals an…

Heute jährt sich der Todestag von Jeff Buckley zum 16. Mal. Ohne Frage war er zu Lebzeiten ein aufstrebender Musiker, ein Talent, das seinesgleichen suchte (und wohl nichts und niemanden weit und breit gefunden hätte). Wer weiß – vielleicht würden Gitarrengrößen wie Eric Clapton, Jimmy Page, Jeff Beck oder Keith Richards heute neidvoll auf das Schaffen und Können des Kaliforniers herabblicken. Doch uns bleibt lediglich „Grace“. Und die Legende von einem jungen Mann, der sich vor 16 Jahren dazu entschied, im Wolf River schwimmen zu gehen…

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Natürlich sollten und müssen beim Gedenken an Jeff Buckley die Töne für sich sprechen. Hier also seine Version des Cohen-Klassikers „Hallelujah“ in Bild und Ton…

 

…sowie meine persönlichen Favoriten „Dream Brother“…

 

…“Last Goodbye“ (in einer 1995 für MTV aufgenommenen Live-Variante)…

 

…und „Forget Her“:

 

(Einen guten Überblick auf das leider zu geringe Schaffen Buckleys bietet außerdem die 2007 – also zum 10. Todestag – erschienene Zusammenstellung „So Real: Songs from Jeff Buckley„.)

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Gedanken zu „„Drown in my own tears“ – zum 16. Todestag von Jeff Buckley

  1. […] von Jeff Buckleys erstem und einzigem zu Lebzeiten veröffentlichten Album „Grace„, und hier ein paar Zeilen zum 16. Todestag im Jahr 2013. Auch gut: dieser Artikel auf spiegel.de über Jeff […]

  2. […] Buckleys viel zu frühem Tod 1997 zusammenhängen mag (dazu habe ich vor einigen Jahren schon mal ein paar Zeilen geschrieben), zum anderen natürlich mit dem Album selbst (auch zu diesem – anlässlich des […]

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