Mein Senf: Heute schon mit Gestern abgerechnet?


Slaves in AmericaGruselig, was manch ein Lehrer sich ausdenkt, um seinen Schülerin die Theorie anhand von praktischen Beispielen schmackhaft zu machen…

Im Anschluss an eine Sozialkundestunde über den schwarzen Ex-Sklaven und US-Bürgerrechtler Frederick Douglass (1818-1895) sollten mehr als 100 Drittklässler der Beaver Ridge Grundschule in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia folgende Mathematikaufgaben lösen: „Jeder Baum hat 56 Orangen. Wenn acht Sklaven sie in gleichen Teilen pflücken, wie viele pflückt dann jeder Sklave?“ Hm… „Wenn Frederick zwei Mal täglich Prügel bekommt, wie viele Schläge bekommt er dann in einer Woche?“ What?!? „Auf ein Sklavenschiff passen 3799 Sklaven. Eines Tages übernehmen die Sklaven das Schiff. 1897 von ihnen sind tot. Wie viele Sklaven leben noch?“ Ernsthaft? Eine andere Rechenaufgabe sollte ergeben, wie viele Pfund Baumwolle Sklave Frederick mit sechs vollen Körben einfährt.

Natürlich wurden mittlerweile alle Aufgabenblätter eingesammelt und aus dem Rechenverkehr gezogen. Natürlich erhielten die beteiligten Lehrer, welche es – laut eigener Aussage – nur „gut gemeint“ hätten, eine Verwarnung (ihr habt richtig gelesen: sie unterrichten noch!). Und die Sprecherin des Schulbezirks kommentierte den Versuch der Lehrer, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, so: „Es waren einfach ziemlich schlechte Fragen.“abraham_lincoln_zitat_auf_sklaverei_posterdrucke-rb55286ed20134ebbb631c30445995e8a_bxi_400

Es scheint durchaus so, als hätten die USA (oder zumindest einige ihrer Bundesstaaten) trotz allem Multikuli-Gestus, trotz der Tatsache, dass Filme, die die Sklaverei aktuell augenzwinkernd auf die Schippe nehmen (Quentin Tarantinos „Django Unchained“) oder sich – ob nun als Südenstaaten-Zombies tötenden Actionhelden oder grandios dargestellt von Daniel Day Lewis – mit einer der wichtigsten Persönlichkeit im Kampf gegen die Sklaverei, Abraham Lincoln, geschäftigen, derzeit Hochkonjunktur haben, noch einen weiten Weg des Nachdenkens über ihre Vergangenheit vor sich. Man mag ja bei solch‘ einem – flächen- und bevölkerungsmäßig – großen Land nicht alles und jeden über den sprichwörtlichen Kamm der Verallgemeinerung scheren, aber oft scheint es, als habe diese ach so großartige „nation under God“, die am liebsten allen anderen Staaten des Erdballs ihre Vorstellung von Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit aufoktroyieren mag, seit der Kolonialisierung kaum etwas gelernt. „The land of the free and the home of the brave“? Träumt weiter…

Und so zynisch und makaber das Ganze auch erscheinen mag, andere Länder haben ebenfalls ähnliche Vorfälle vorzuweisen: in Japan etwa ließ eine Mathematiklehrerin ihre Schüler mit ermordeten Kindern rechnen, und in Australien gab eine Lehrerin ihre zehnten Klasse die (hoffentlich theoretische) Aufgabe, einen möglichst blutigen Terroranschlag zu planen. Man stelle sich einmal vor, in einem deutschen Schulbuch würde aktuell folgende Rechenaufgabe gestellt: „In eine Gaskammer passten 300 Juden. Jeder Jude verbrauchte 4 Gramm Zyklon B. Wieviel Schädlingsbekämpfungsmittel musste der Lagerleiter beschaffen, damit alle Juden ermordet werden konnten?“ Gruselig? Gruselig!

 

Rock and Roll.

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