Der Jahresrückblick 2012 – Teil 2


(Eine kleine Anmerkung gleich zum Anfang: wie in den meisten meiner „Jahreslisten“ spielen auch hier Jahreszahlen und Erscheinungsdaten eine eher untergeordnete Rolle. Wenn ich etwas toll, erwähnenswert oder empfehlenswert finde, dann ist es für mich nicht wichtig, ob – wie hier – der Film 2012 oder 2006 erschienen ist.)

 

So langsam aber sicher neigen sich auch die Zelluloidbahnen meines „Filmjahres 2012“ dem Ende. Und obwohl doch einige kleinere (wie „The Dark Knight Rises„, der letzte Teil von Christopher Nolans „Batman“-Trilogie) und größere Enttäuschungen dabei waren, gibt es doch so einige Filme, die ich euch auch in diesem Jahr nur wärmstens empfehlen kann…

Hier meine Top 6:

 

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

The Hobbit (Poster)Kurz bevor ich das diesjährige Kinojahr mit dem Prädikat „höchst mittelmäßig“ ad acta legen konnte, durfte ich mit dem ersten von drei Teilen der Vorgeschichte zum „Herrn der Ringe“ noch eine positive Überraschung erleben. Und was für eine! Egal in welchem Punkt, Regisseur Peter Jackson übertrifft sich und sein erfolgreiches Vorgänger-Epos noch einmal selbst: Geschichte, Figuren, Besetzung, Erzählweise, Bildgewalt – alles, was einen unterhaltsamen Kinoabend ausmacht, wird hier aufgeboten. Mehr als einmal besteht bei diesem komplett in 3D dargebotenen Film ob der – inhaltlich wie bildlich – mit viel Liebe zum Detail gestalteten Szenen (bei denen man deutlich merkt, dass kein Geringerer als Guillermo del Toro am Drehbuch mitgewirkt hat) und atemberaubenden Kamerafahrten die Gefahr tiefer gelegter Kinnladen. Man freut sich, dass der aus der BBC-Serie „Sherlock“ bekannte Martin Freeman als Hobbit Bilbo Beutlin seine nicht eben einfache Aufgabe so hervorragend meistert, ebenso wie über das Wiedersehen mit Andy Serkis (als Gollum), Ian McKellen (Gandalf), Cate Blanchet (Galadriel) oder Christopher Lee (Saruman). Jackson schickt hier mal eben komplett überbewertete Nichtunterhaltung wie „Avatar“ zum Schämen auf die stille Treppe und wälzt J.R.R. Tolkiens beinahe 80 Jahre alte und lediglich knapp 350 Seiten kurze Romanvorlage „Der kleine Hobbit“ auf geschätzte 9 Stunden (!) aus. Und obwohl bereits Teil eins auf stolze 169 Minuten kommt, ist er doch keine Sekunde zu lang, denn die Vorspeise zum im Winter 2013 erscheinenden zweiten Teil mundet mit ihrem grandiosen Mix aus abenteuerlicher Action, purer Bildgewalt und nostalgischen Anspielungen auf die Vorgänger – welche erzähltechnisch dieser Geschichte erst nachfolgen – bereits hervorragend kurzweilig. Hier gilt: unbedingt anschauen! Und zwar im Kino. Denn genau dafür wurde es erfunden.

 

 

Hasta La Vista (2011)

Hasta La Vista (Poster)Philip, Lars und Jozef – drei Männer Anfang Zwanzig. Alle drei sind „oversexed and underfucked„, alle drei haben ihren Alltag und die enge belgische Einöde satt. Ganz normal? Keineswegs! Denn Philip (Robrecht Vanden Thoren) ist vom Halswirbel abwärts gelähmt, Lars (Gilles de Schryver) unheilbar an Krebs erkrankt und bereits an seinen Rollstuhl gefesselt und Jozef (Tom Audenaert) ein nahezu blindes Muttersöhnchen. Und doch – oder gerade deshalb – wünscht sich das im Handicap vereinte Trio nicht sehnlicher als eins: zum ersten Mal Sex haben! Die Lösung: ein auf Behinderte spezialisiertes Bordell in Punta del Mar, Spanien. Doch wie sollen sie diesen so delikaten wie natürlichen Wunsch ihren besorgten Eltern erklären? Und wie schafft ein bisher stets auf fremde Hilfe angewiesenes Dreiergespann trotz aller Widerstände die lange Reise, gerade weil nicht mehr viel Zeit bleibt?

Hasta La Vista“ ist ein ebenso komisches wie todernstes Rührstück, welches zu gleichen Teilen von Story, Darstellern und Bildern lebt und mehr oder weniger als belgisches Pendant zu „Ziemlich beste Freunde“ gesehen werden darf. Weder der Erfolg im eigenen Land noch der im Ausland (so hoffe ich zumindest) überraschen hier, denn Taschentücher dürfen bei diesem Film zum Lachen und zum Weinen in Reichweite parat gelegt werden.

 

 

Mein bester Freund (2006)

Mein bester Freund (Plakat)Ich liebe Dany Boon! Der Mann ist einer der begnadetsten Komiker und Schauspieler Frankreichs und sorgte – auch bei mir – 2008 mit „Willkommen bei den Sch’tis“ auch außerhalb der Landesgrenzen für berechtigte Furore. Dass der bereits zwei Jahre zuvor erschienen Film „Mein bester Freund“ weitaus weniger Cineasten bekannt sein dürfte, muss trotzdem kein schlechtes Zeichen sein…

Der erfolgreiche Antiquitätenhändler François Coste (Daniel Auteuil) ist derart auf berufliche Meriten und Ansehen versessen, dass er darüber hinaus sein Privatleben komplett vernachlässigt. Erst seine Geschäftspartnerin Catherine (Julie Gayet) muss ihn darauf aufmerksam machen, dass wohl niemand zur Beerdigung des oberflächlichen Workaholics erscheinen würde. Da der erfolgsverwöhnte François jedoch ein schlechter Verlierer ist, wie er im Buche steht, nimmt er Catherines vorgeschlagene Wette ohne Bedacht an. Nun muss er innerhalb von zehn Tagen seinen besten Freund präsentieren, andernfalls wandert die soeben ersteigerte antike Vase von immensem Wert in den Besitz seiner Geschäftspartnerin über. Das Problem nur: er hat tatsächlich keinen. In Zeitnot legt er alle Hoffnungen in den aufgeschlossenen Taxifahrer Bruno (Dany Boon), welcher ein chaotisch-bodenständiges Leben führt und von der Teilnahme an einer Quizshow träumt. Dieser soll ihm im Expressverfahren zeigen, wie man Freunde findet…

Der Film von Regisseur Patrice Leconte zeigt, dass Geld eben nicht alles ist und man sich zwar Aufmerksamkeit auf Zeit erkaufen kann, jedoch keine wahre Freundschaft. Dany Boon brilliert hier, obwohl er höchstens die nebengeordnete Hauptrolle spielt, einmal mehr in einem Film, der – als Komödie getarnt – zum Nachdenken anregt. Geheimtipp, welcher eigentlich keiner sein sollte!

 

 

Dein Weg (2012)

Dein Weg (Kinoplakat)Emilio Estevez. Nie gehört? Kein Wunder, erlebte der US-Amerikaner doch, obwohl er Mitte der Achtziger als eins der hoffnungsvollsten Talente des „Brat Packs“ galt, als Schauspieler einen frühen empfindlichen Karriereknick. Rückblickend war das jedoch auch gut so: fortan fokussierte sich Estevez auf die Arbeit hinter der Kamera und lieferte etwa mit dem starbesetzten Kennedy-Drama „Bobby“ eine hervorragende Arbeit ab. Weitere Familienmitglieder dürften weitaus mehr Leuten geläufig sein, etwa sein Vater Martin Sheen oder sein Bruder Charlie Sheen (ganz genau, der selbstdestruktive „Two And A Half Man“-Trunkenbold!). Und Martin Sheen spielt nun auch die Hauptrolle in Estevez‘ neustem Film…

Auch ein bisher auf der sonnigen Erfolgsseite geführtes Leben kann unerwartete Überraschungen bereit halten. Auch aus Schmerz und Verlust können wunderbare Dinge erwachsen. Diese gefühlt labidaren Weisheiten bekommt der erfolgreiche und angesehene amerikanische Augenarzt Thomas „Tom“ Avery (Martin Sheen) am eigenen Leib zu spüren. Sein Sohn David (Emilio Estevez), zu dem er seiner rebellischen und freiheitsliebenden Gedankenspiele wegen ein zwar liebevolles, jedoch auch distanziertes Verhältnis hatte, ist in Frankreich ums Leben gekommen. Hals über Kopf und unter Schock reist Tom in die Pyrenäen, um den Körper seines toten Sohnes zu identifizieren und in die USA zu überführen. Schon bald findet er heraus, was sein Sohn, dem das Bereisen der Welt wertvoller erschien als Erfolg und Doktorwürden, vorhatte: er wollte den Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern. In einer Art sentimentaler Hauruckaktion beschließt Tom, das Vorhaben des Sohnes, der bereits am ersten Tag der Pilgerwanderung ums Leben kam, mit der Asche des Verstorbenen im Gepäck zu Ende zu führen. Auf seiner Reise trifft der grantige und verschlossene ältere Herr einige andere Pilger, welche den „Camino“ aus unterschiedlichsten Gründen bepilgern: etwa die innerlich gebrochene Kanadierin Sarah, den scheinbar oberflächlichen Holländer Joost oder den Iren Jack, ein Schriftsteller, welcher sich in Spanien Erlösung von seiner Schreibblockade erhofft. Zusammen macht sich das ungleiche Quartett auf den Weg und lernt dabei mehr über das Leben und sich selbst, als es am Anfang auch nur im Entferntesten zu Hoffen gewagt hätte.

Dein Weg“ ist ein toller, ein ruhiger, ein komischer, aber auch trauriger Film, der zeigt, dass das Leben stets am seidenen Faden hängt und man es vor allem für zwei Dinge schätzen sollte: für das Geschenk derjenigen, die einem am Herzen lieben und für die besonderen Momente.

 

 

Drive (2011)

Drive (Poster - France)Bei nicht wenigen Filmfreunden geniesst Ryan Gosslings Darstellung des namenlosen „Fahrers“, welche tagsüber als Stuntman für Hollywood-Produktionen sein Leben riskiert und des Nachts mit eiskalter Präzession als Fluchtwagenfahrer für Bankräuber arbeitet, bereits Kultstatus. Logischerweise gilt Gossling mittlerweile – nicht nur wegen dieser Rolle, in der er Herz und Gesundheit für die schöne Nachbarin (gespielt von Carey Mulligan, übrigens die Angetraute von Mumford & Sons-Frontmann Marcus Mumford) aufs Spiel setzt – als eines der hoffnungsvollsten Talente der „Traumfabrik“ und bringt reihenweise Frauenherzen zum Dahinschmelzen. Ich selbst habe langer mit mir gerungen, ob ich „Drive„, den nächsten „Schweiger“-Film des dänischen Filmemachers Nicolas Winding Refn, nun banal oder toll finden soll – und mich letzten Endes für Zweiteres entschieden. Dafür machen die Mischung aus unbedingter Ruhe und schockierender, plötzlicher Brutalität in Verbindung mit dem komplett ironielosen Achtziger-Jahre-Soundtrack einfach zu viel her.

 

 

Hesher – Der Rebell (2010)

Hesher (Poster)Hoffnungsvolles Talent, die Zweite: Joseph Gordon-Levitt ist „Hesher„, ein nach Außen ultracooler, metalaffiner Herumtreiber, der selbst Anarchisten aufgrund ihrer Spießigkeit verlachen würde und dessen Astralkörper Tattoos eines sich selbst einen Kopfschutz verpassenden Strichmännchens sowie eines Stinkefinger zieren. Und „Hesher“ steht plötzlich vor der Tür von T.J. (Devon Brochu), der seit dem Tod seiner Mutter zusammen mit seinem depressiven Vater (Rainn Wilson) bei der Großmutter lebt. Und: „Hesher“ zieht ein und macht zunächst so gar keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Natürlich macht das die verwirrende Welt des Teenagers T.J., der seit Neustem heimlich in die chaotische Supermarktkassiererin Nicole (Natalie Portman) verliebt ist, und in der Schule als Außenseiter ständiger Drangsalierung ausgesetzt ist, keineswegs einfacher…

Ein feiner, kleiner Film, der zeigt, dass dich das Leben zwar manchmal bei den Eier packt, aber nur selten loslässt – wenn du selbst daran festhältst.

 

 

…und auf den weiteren Plätzen:

Looper (2012)

Joseph Gordon-Levitt, die Zweite: Auftragskiller erledigen im Jahr 2044 unter Zuhilfenahme von Zeitreisen die Drecksarbeit von morgen. Doch dann steht Joseph Simmons (Gordon-Levitt) plötzlich seinem älteren Ich (Bruce Willis) gegenüber… „Looper“ – interessante Thematik, gute Umsetzung, tolle Schauspieler. Sehenswert.

 

 

Starbuck (2011)

Der 42-jährige Versager und selbsterklärte Berufsjugendliche David Wozniak (Patrick Huard) erfährt, dass er per unter dem Pseudonym „Starbuck“ vor vielen Jahren aus Geldnot getätigter Samenspende mittlerweile Vater von 533 Kindern ist. Und 142 davon möchten ihn nun gern kennenlernen – und das, wo er doch schon Panikattacken schiebt, als ihm seine derzeitige Freundin offenbart, dass sie schwanger ist…

Die Komödie des kanadischen Regisseurs Ken Scott unterhält mit einem Übermaß an Witz und Herzlichkeit und schrammt nahe an der Kitsch-Messlatte vorbei. Deshalb: Daumen hoch!

 

 

The Man With The Iron Fists (2012)

Ein Martial Arts-Spektakel, welches vor unglaubhaft tollen Kampfszenen mit Lust an Überspitzung und Splatter nur so strotzt. Klar, Wu-Tang-Clan-Rapper RZA hat schließlich Regie geführt (und auch gleich noch die Titelrolle übernommen) und Eli Roth am Drehbuch mitgeschrieben. Dass da mehr an „Kill Bill“ oder „Inglorious Basterds“ erinnert als Lucy Liu in einer der Hauptrollen oder Quentin Tarantinos Name auf den Filmplakaten, ist klar. Und wenn auch die Story arg zu wünschen übrig lässt, wird der Kampfkunstfan während der herrlich überdrehten 95 Minuten mit einem Augenzwinkern auf’s Feinste unterhalten. Ein potentieller Genre-Klassiker, mit kleinen Abstrichen in der B-Note und einem tollen Soundtrack.

 

 

The Music Never Stopped (2011)

Mehr dazu hier

 

 

Who Killed Marilyn? (2011)

Mehr dazu hier

 

Rock and Roll.

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