Terry Callier – die Stimme der Liebe und Sanftmut ist verstummt…


Verdammt. Langsam bin ich’s leid…

„Er war ein Mystiker und ein Folksänger, ein Dichter und ein Storyteller, ein Jazzer und ein begnadeter Soulsänger. Doch seine sanfte Stimme und seine virtuose Songkunst erhielten nie die Aufmerksamkeit wie etwa die Alben seines Freundes aus früher Kindheit, Curtis Mayfield.“

(Quelle: der heutige Nachruf des Rolling Stone)

 

Terry Callier wurde am gestrigen Sonntag tot in seiner Wohnung in Chicago aufgefunden, die Todesursache ist bisher unbekannt. Er wurde 67 Jahre alt.

Kennengelernt habe ich seine Musik 2006 durch das großartige „Live With Me“, welches in Kooperation mit Massive Attack entstand:

 

Während ich oben stehende Videoversion aufgrund der emotionalen Bildgewalt persönlich für die bessere erachte, sieht man bei dieser (bei beiden führte Jonathan Glazer Regie) während des kompletten Songs die Lippen von Callier und hängt buchstäblich an ihnen:

 

Natürlich könnte ich jetzt noch einmal alle biografischen Fakten und Eckdaten herunterbeten. Natürlich könnte auch ich hier noch einmal seinen enormen Einfluss auf die nachkommenden Generationen von Jazz-, Soul- und Folksängern betonen – man höre sich da nur Michael Kiwanuka an, der selbst angibt, dass Callier zu seinen größten Inspirationsquellen zähle, oder Beth Orton, die auch mit dem 1945 in Chicago geborenen Sänger und Komponisten zusammenarbeitete. Und bedauern, dass seinen 1972 beziehungsweise 1974 erschienenen Albumgroßtaten „What Color Is Love“ und „I Just Can’t Help Myself“ bis zum 2009 gemeinsam mit Massive Attack aufgenommenen letzten Album „Hidden Conversations“ wenig Ertragreiches nachfolgte. Wer mag, kann dies alles im bereits eingangs erwähnten und sehr treffend von Maik Brüggemeyer geschriebenen Nachruf nachlesen. Hier nur ein, zwei Anekdoten: Terry Calliers zeitweiliges Dasein abseits des kommerziellen Erfolgs führte sogar soweit, dass er, der seine Tochter als alleinerziehender Vater großzog, Anfang der Achtziger eine Stelle als Programmierer an der Universität von Chicago annahm, diese jedoch wieder verlor, als er nach dem Erscheinen seiner Platte „Time Peace“ (diese wurde 1998 nach 19 Jahren „Abstinenz“ über das Jazz-Traditionslabel Verve veröffentlicht) den ‚Time for Peace Award‘ der Vereinten Nationen für (s)eine „herausragende künstlerische Leistung“ gewann – sein Arbeitgeber habe schlichtweg nichts von seinem Leben als Musiker gewusst… Vorher nahm er seine zahlreichen Platten in seiner Freizeit auf und trat während seines Urlaub in kleineren Clubs auf (auch in England, was wohl Eddie Pillar, dem Leiter von Acid Jazz Records, sowie einigen DJs zu verdanken ist, welche in den frühen Neunzigern seine alten Aufnahmen für sich entdeckten). Er hätte dem Musikgeschäft wütend und enttäuscht, dass sein Talent nur von einer Handvoll Bewunderer beachtet wurde, den Rücken kehren können. Doch der John Coltrane-Begeisterte legte zeitlebens ein bewundernswertes Potential an innerem Frieden, Ausgeglichenheit und Sanftmut an den Tag (ohne jedoch seine Musik als gesellschaftspolitisches Mittel zu verkennen). Was sei schon so ein bisschen Musik gegen das Glück des eigenen Kindes?

Was bleibt, ist eine weitere große Persönlichkeit und dessen Stimme, die nun für immer verstummt ist. Und wundervolle Songs, die bleiben. Wie dieser hier: „Dancing Girl“ von „What Color Is Love“…

 

Hier könnt ihr euch noch einmal ein etwa 3 Jahre altes Interview mit Terry Fallier anschauen, in welchem er unter anderem auch über seine Zusammenarbeit mit Massive Attack spricht:

 

„Follow the dancing girl / Go to the quiet place. / Here in the weary world / Somewhere between time and space. / We shall be free. / Each of us is born alone / Well, welcome to the twilight zone. / You can leave with only what you bring.“

 

Rock and Roll.

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