Kettcar live im Alten Schlachthof, Dresden, 1. März 2012: Von Kühen und Flüssen, Barry White und Erwartungen


„Das muss am Fluss liegen.“ Ob die gemeinsame Elbsozialisation nun der (einzige) von Bassist Reimer Bustorff ins Feld geworfene Grund für die konstant gute Stimmung während des Kettcar-Gastspiels im Dresdner Alten Schlachthof war, sein einmal dahin gestellt. Mir würden da noch einige mehr einfallen… Aber von Anfang an.

Zehn Jahre ist es nun her, dass die aus Marcus Wiebusch (Gesang, Gitarre), seinem jüngeren Bruder Lars Wiebsuch (Keyboard), Reimer Bustorff (Bass), Erik Langer (Gitarre) und Christian Hake (Schlagzeug, seit 2010 an Bord) bestehende Hamburger Band ihr erstes, viel beachtetes Album „Du und wieviel von deinen Freunden“ veröffentlicht und dafür mangels Interesse der Majorlabels ihr eigenes Label Grand Hotel Van Cleef gegründet hat (welches, neben Wiebusch und Bustorff, Thees Uhlmann als Co-Chef vorweist). Drei Studio- und ein Live-Album später ist nun vor kurzem „Zwischen den Runden„, welches ANEWFRIEND kürzlich als „Album der Woche“ würdigte, erschienen. Und natürlich haben zehn Jahre auch bei Kettcar einiges verändert. Die eigenen Familien haben sich vergrößert, die Haare sind lichter und die Bäuche fülliger als noch zu Zeiten, als die Jungs in Punk- und Ska-Bands wie …But Alive oder Rantanplan ihre Anfänge machten, aus dem Hobby Musik ist längst ein Full Time Job geworden, das Label läuft Dank einer Menge Enthusiasmus, Engagement und Liebe zum Detail bestens, im Feuilleton und in der Presse findet die Band mittlerweile mit jeder neuen Platte ausreichend Beachtung, das ZDF berichtete kürzlich gar vom Tourstart zum aktuellen Album.

Und auf eben jener Tour machten Kettcar am vergangenen Donnerstagabend Halt im gut gefüllten Dresdner Alten Schlachthof. Die norddeutsche Band Torpus & The Art Directors machten mit ihren an Mumford & Sons erinnernden Songs als Anheizer einen ordentlichen Job, das – offizielle – Debütalbum der Band soll in Kürze erscheinen. Um kurz nach 21 Uhr betraten dann Marcus Wiebusch & Co. die Bühne und eröffneten ihr 21 Lieder starkes und gut 90 Minuten langes Set mit „Rettung“, dem ersten Song ihres aktuellen Albums. Nachfolgend wurden alle Alben, vom Erstling „Du und wieviel von deinen Freunden“ über „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen„, das dezent zynisch gehaltene „Sylt“ bis hin zu „Zwischen den Runden“, berücksichtigt und auch viele Publikumsfavoriten wie „48 Stunden“, „Graceland“, „Balkon gegenüber“, „Ich danke der Academy“ oder eben dem „Mädchen-Song“ (Zitat Marcus Wiebusch) „Balu“ gespielt. Geschickt wurden ruhigere Songs wie das bewegende „Nach Süden“, „In deinen Armen“ oder „Am Tisch“ (in welchem Lars Wiebusch den Album-Gesangspart von Niels Frevert übernahm) ins die Setlist eingebaut und immer wieder zischen kaustischer und elektrischer Gitarre hin- und hergewechselt, ohne das dies den Fluss oder die Stimmung gestört hätte. Kettcar zeigten sich gewohnt spielfreudig und die beiden Vegetarier Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff überrascht, dass die Band während ihrer bundesweiten Tournee in so vielen „Schlachthöfen“ spiele, worauf sie spontan ein „Muh!“ aus dem Publikum ernteten. Während des Konzerts wurden immer mal wieder kurze Anekdoten zu den Songs oder kleine Spitzen hinsichtlich aktueller Plattenkritiken (wonach Wiebusch kürzlich als der „Barry White des Indiepop“ betitelt wurde) geliefert. Nach dem zweiten Zugabenblock und dem Klassiker „Landungsbrücken raus“ wurde das zufriedene Publikum in die milde Märznacht entlassen. „Ich danke der Academy und Standing Ovation.“ Habt ihr euch verdient, Jungs! Es ist schön zu sehen, dass Kettcar voll und ganz „bei sich angekommen“ sind und, ohne auf Erwartungshaltungen oder Sympathiepunkte zu schielen, nach wie vor nach ihrem Gusto agieren. Muss wohl am Fluss liegen…

Die Setlist könnt ihr hier sehen:

Bilder vom Konzert findet ihr unter anderem bei DNN.

Und hier noch einer meiner Favoriten vom aktuellen Album, welcher – wie ihr oben sehen könnt – auch gestern in Dresden gespielt wurde: „Schrilles, buntes Hamburg“.

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , ,

Ein Gedanke zu „Kettcar live im Alten Schlachthof, Dresden, 1. März 2012: Von Kühen und Flüssen, Barry White und Erwartungen

  1. Fabius sagt:

    Bin eben durch Zufall auf den Blog gekommen. Gefaellt mir bis jetzt gut.

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