Das Album der Woche


Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow (2012)

„Blonde On Blonde“ von Bob Dylan, „Sea Change“ von Beck,  „Album Of The Year“ von The Good Life, „Love Is Hell“ von Ryan Adams, „O“ von Damien Rice – die Liste großer, tränenschwerer  Trennungsalben ist lang. Kristofer Åström fügt nun mit seinem nunmehr neunten Soloalbum (plus vier EPs) namens „From Eagle To Sparrow“ ein weiteres hinzu.

Dabei ist die Welt im Album-Opener „For You“, welches durch Rhythmik und Mundharmonika-Begleitung an Bob Dylan erinnert, zwar von (Selbst)Zweifeln geprägt, aber scheinbar noch halbwegs in Ordnung: „How come you are staying with me? / How come you’re still here? / Am I the one that you can stand? / The only one you need?“. Doch schon im darauf folgenden „Queen Of Sorrow“ ist die Dame weg und es Åström selbst, der die Scherben der gescheiterten Beziehung und seines gebrochenen Herzens aufkehren muss: „Dear father, sweet sister / Mother, I still miss her / … / Is it worth to keep dreaming? / If the world will soon fall to pieces“. Nachdem der 38-jährige Schwede bei den Vorgängern „Sinkadus“ (2009) und „RainawayTown“ (2007) noch (s)eine Begleitband im Rücken hatte, nahm er nun „From Eagle To Sparrow“, bis auf kleinere Ausnahmen wie „Full Moon“, ein Fernduett mit Sandle Creek-Darling Maria Taylor, oder das sacht vorwärts stampfende „Taser Gun“, komplett allein auf – die sprichwörtliche Gesundschrumpfung „vom Adler zum Spatzen“ war wohl nötig. Insgesamt sucht Åström in den zwölf Songs weniger nach dem Warum – schließlich hat er bereits auf dem 2001 erschienen „Northern Blues“ eine ganz ähnliche Lebenssituation vertont – sondern mehr nach Wegen, um aus dem Seelentief mit möglichst wenigen Schrammen wieder heraus zu kommen. Klar hätte er es von Vornherein besser wissen sollen („I’m always looking for the heartbreaker to call my own / I’ve been waiting for the homewrecker to throw her stones“ – aus „Strong & Tall“), doch der hoffnungslose Romantiker („I’m a lover, I’m a fighter / I’m keeping my head above water“ – aus „Queen Of Sorrow“) kann halt nicht anders und befürchtet, dass er, allen Ablenkungsversuchen und Widrigkeiten zum Trotz, doch wieder vor der Tür der ehemals Angebeteten enden wird („Come summer, come standing outside your door“). Und klar weiß gerade Åström aus eigener Erfahrung, dass die eben geleckten Wunden irgendwann wieder heilen… Bleibt nur zu klären, wann („Your heart is torn / When will you come back?“).

„From Eagle To Sparrow“ ist beileibe kein weinerliches Album. In allen Songs steckt, neben all der Sentimentalität und Melancholie, auch ein großer Brocken Hoffnung auf einen Lichtstrahl am Ende des Herzeleidtunnels. „From Eagle To Sparrow“ ist ein tolles Singer/Songwriter-Album, Åströms wohl bestes Werk seit „Loupita“ (2004) und in seiner Gesamtheit auch eine Verneigung vor einem der großartigen Herzschmerz-Musiker aller Zeiten: Elliott Smith. Denn genau wie dieser schafft es Kristofer Åström, den Hörer mit einfachen Mitteln (sprich: meist nur mit Hilfe einer Akustikgitarre) zu fesseln und zu emotionalisieren. Beim Song „Can You Imagine?“ wagt der Schwede dann sogar wieder einen gesellschaftskritischen Blick vor die eigene Haustür, um im abschließenden „Forget About It“ den Seelenunrat zum Müll zu bringen. „Kopf hoch und Arsch in den Sattel“ sangen Jupiter Jones einst, was die schlussendliche Botschaft von Åströms neustem Werk treffend umreißt. Weiter geht es immer, den Weg muss jeder für sich selbst wählen. Bis dahin: Fick dich, Herzschmerz!
 
Hier könnt ihr euch den Song „Strong & Tall“ anhören:

 

Im März ist Kristofer Åström auf Deutschland-Tournee. Hier die Daten:
 
11.03.2012 Hamburg / Kunst
12.03.2012 Hannover / Mephisto
13.03.2012 Göttingen / Apex
14.03.2012 Bielefeld / Fallendem
15.03.2012 Bremen / Tower
16.03.2012 Lingen / Alter Schlachthof
17.03.2012 Köln / Gebäude 9
18.03.2012 Dortmund / FZW
19.03.2012 Saarbrücken / Garage
20.03.2012 Wiesbaden / Schlachthof
21.03.2012 Karlsruhe / Jupes
22.03.2012 Luzern (CH) / Schuur
23.03.2012 Freiburg / White Rabbit
24.03.2012 Konstanz / Kulturladen
25.03.2012 München / Ampere
26.03.2012 Nürnberg / Hirsch
27.03.2012 Halle / Objekt 5
28.03.2012 Dresden / Beatpol
29.03.2012 Berlin / Comet
30.03.2012 Greifswald / Cafe Koeppen
31.03.2012 Flensburg / Volksbad

 
Rock and Roll.

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5 Gedanken zu „Das Album der Woche

  1. […] zum aktuellen Album “From Eagle To Sparrow” (welches vor nicht all zu langer Zeit das “Album der Woche” auf ANEWFRIEND […]

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